Gedanken zwischen Himmel und Erde 2026
Geistliche Impulse

Warum Ostern mehr Schmetterlinge braucht
Impuls April 2026
Haben Sie Osterhasen zu Hause? Oder doch lieber Schoko-Eier? Manche backen Osterlämmer oder eine „Colomba Pasquale“, die italienische Oster-Taube. Ist das eigentlich richtig?
Am ersten Ostern war noch nichts in Schokolade eingepackt! Die Jünger Jesu fühlten sich zurückgelassen in Trauer. Einige Jünger gehen zum Grab und bleiben ratlos. Leinentücher liegen auf dem Boden. Maria Magdalena klagt: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben (Joh 20,13)“.
Maria blickt in die Grabhöhle und erkennt, was keiner der anderen sieht: Zwei Engel, einer zu Füßen, einer zu Häupten der Grabstelle. Ein dritter ist da, im weißen Gewand. Wer ist es?
Noch immer hat sie der Osterschrecken. Sie denkt, wie wir oft denken. Der Verlust steht vor Augen und nur der Verlust: an besonderen Menschen, an verpassten Möglichkeiten in der Liebe oder im Tun, an Zukunft, die sich verflüchtigt hat in graues Einerlei oder in Krankheit oder in Einsamkeit. Da erscheint das als die größte Aufgabe: mit unseren Verlusten irgendwie zu leben.
Es ist ein Witz: Maria ist so beschäftigt mit ihrem Verlust, dass sie Jesus selbst gar nicht erkennt! Sie hält den Auferstandenen für den Gärtner. Es bleibt ein dickes Brett vor dem Kopf. Alleine ist das Geheimnis nicht zu knacken.
Ich kann weit auf Jesus zugehen, mit aller meiner Kraft, meinem Mut. Ich kann mit meinen Sinnen alles sehen (im Grab), alle meine Fragen stellen (nach den Verlusten im Leben): Das Geheimnis bleibt. Ich brauche den Schlüssel!
Im Evangelium ist der Schlüssel ein einziges Wort: „Maria!“, spricht Jesus.
Und Maria Magdalena geht und verkündigt voll Freude: „Ich habe den Herrn gesehen (Joh 20,18).“
Der Apostel Paulus schreibt das später so auf: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden (1. Kor 15,51).“
Darum geht es auch bei unseren Oster-Tieren. Sie haben Bedeutung:
- Der Hase: Es war für Menschen über Jahrhunderte unverständlich, wie aus zwei Hasen plötzlich ein Gewimmel wird.
- Das Ei: Wie aus scheinbar toter Materie neues Leben entsteht.
- Die Taube, die unerwartet Hoffnung vom Himmel bringt.
- Das geschlachtete Lamm, das wieder lebendig ist.
Ist das schon Ostergeheimnis - in Schokolade und in Kuchen gepackt? Wohl kaum. Das sind alles unvollkommene Bilder, ja vielleicht lachhaft unbeholfen. Aber so unbeholfen waren auch die ersten Jüngerinnen und Jünger dran.
Ich bin auch lachhaft unbeholfen. Mir hilft deshalb noch ein weiteres Schlüssel-Tier: Der Schmetterling!
Die Raupe führt ein Leben wie unseres manchmal scheint: Sie ernährt sich und nimmt zu, nicht unbedingt an Weisheit, aber an Körperumfang, hangelt sich von Blatt zu Blatt, bis sie wie tot wirkt. In einer Puppe löst sie sich auf. Aus Sicht der anderen Raupen muss das das Ende sein. Aber, so predigt schon um das Jahr 350 Bischof Basilius von Cäsaräa: Sie wird verwandelt werden! Und aus dem unscheinbaren, erdenschweren Wesen entwickelt sich, wie neugeboren, ein ganz anderes Sein. Die Griechen benutzten für den Schmetterling deshalb das gleiche Wort wie für die Seele: „psyché“.
Wer um das Ostergeheimnis weiß, der*dem kann es gehen, wie einem Schmetterling: Leicht ist der, weil nicht mehr irdischer Verlust ihn unten hält, er ist verwandelt. Von der Erde erheben lässt sich der Schmetterling, er ist befreit. Und er will die bunten Flügel entfalten, offen für das neue Leben am Ostertag.
Pfarrer Jakob Fuchs
Da weinte Jesus (Joh 11, 35)
Impuls März 2026
„Da weinte Jesus.“ Ein ungewohntes Bild. Jesus weint um einen Freund. Lazarus der Freund ist gestorben und Jesus weint. Jesus durchlebt, was wir auch erleben: Trauer, den Schmerz jemanden viel zu früh gehen lassen zu müssen und Tränen menschlicher Ohnmacht. Durchwachte Nächte voller Tränen. Da stehen wir am Grab eines lieben Menschen und verstehen die Welt nicht mehr. Leid und Tod verändern uns. Wir erleben Situationen, die uns ins Fragen, Nachdenken und Zweifeln kommen lassen.
„Da weinte Jesus.“ Jesus ist tief bewegt. Sein Weinen ist auch Zorn über den Tod, der das Leben seines Freundes beendet hat. Es sind Tränen der Ohnmacht angesichts des Todes. Jesus leidet mit. Jesus ist ein Gott, der genau weiß, was Leiden bedeutet. In der Passionszeit lesen wir, wie Jesus im Garten Gethsemane vor seinem Kreuzestod mit Gott ringt, leidet und weint. Jesus kennt die Tiefpunkte menschlichen Lebens. Er kennt die Situationen, die nicht zum Aushalten sind und an denen wir fast zerbrechen. „Da weinte Jesus.“ Jesus ist einer von uns. Einer, der weiß, wie es mir geht, wenn Leid und Tod mein Leben durcheinanderwirbeln. Jesus ist der, der mit mir weint. Jesus nimmt mich und mein Leid erst. Mit einem fernen, kalten Gott, der über alles erhaben ist, hat das nichts zu tun. Hier begegnen wir einem Gott, der nicht nur über uns herrscht, sondern mit uns leidet.
Seine Tränen bedeuten:
- Gott kennt den Schmerz des Verlusts.
- Gott sieht die Tränen der Welt – und sie rühren ihn an.
- Gott ist berührt von meinem Leid.
Manchmal können wir Gottes Nähe nicht spüren, aber dieser Vers sagt: Er steht mitten in unseren Tränen. Still. Mitfühlend. Ganz da.
Unser Glaube wird im Angesicht von Leid und Tod herausgefordert. Wir zweifeln, stellen Gott in Frage oder erfahren Gott auf ganz neue Weise. Der Tod fordert uns heraus. Glaube verändert sich. Aber Tränen sind kein Zeichen von Unglauben. Sondern dass ich mich mit meiner Trauer und den Tränen Gott in die Arme werfe. Uns ausweinen dürfen vor seinem liebevollen Angesicht. Wo finde ich den Halt, den ich so dringend brauche? Gott hält uns und lässt uns nicht los. Es sind Gottes Hände, in die wir fallen, auch wenn unser Glaube an seine Grenzen kommt. Gott hält uns und weint mit uns. Nur weil wir an unsere Grenzen kommen, kommt Gott noch lange nicht an seine Grenzen. Aber vielleicht kommt auch nur das an seine Grenzen, was wir glauben können. Was trauen wir Gott zu? Worauf richten wir unser Vertrauen? Wo engt unser Denken auch Gott und unseren Glauben ein?
Dietrich Bonhoeffer schreibt am 21.7.44 an seinen Freund Eberhard Bethge: „Ich dachte, ich könnte glauben lernen, indem ich selbst so etwas wie ein heiliges Leben zu führen versuchte. (...) Später erfuhr ich und erfahre es bis zur Stunde, dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen - sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine so genannte priesterliche Gestalt!), einen Gerechten oder einen Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden - und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern das Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube, (...); und so wird man ein Mensch, ein Christ.“ (1)
„Da weinte Jesus“. Sein Mitgefühl ist kein Widerspruch zu göttlicher Stärke. Denn Jesus weint um Lazarus und vollbringt an ihm das größte Wunder: die Auferweckung. Jesus lässt dem Tod nicht das letzte Wort über das Leben! Er ist auch angesichts des Todes nicht ohnmächtig. Er selbst besiegt den Tod. Durch seinen Tod am Kreuz – für jeden von uns. Damit der Tod auch über unser Leben nicht das letzte Wort hat. Sondern Jesus. Die Menschen, die Jesus weinen sahen, sagten: „Seht, wie lieb er ihn hatte.“ Jesu Tränen machen Gottes Herz sichtbar.
Sie laden ein:
- Ehrlich zu sein: Wir müssen uns nicht zusammenreißen, wenn wir trauern.
- Mit anderen zu fühlen: Gemeinschaft mit Jesus ist tränenfähig.
- Hoffnung zu bewahren: Wer mitweint, ist mir nahe.
- Dich ganz in die Arme Jesu zu werfen, weil er nicht machtlos ist.
Jesus bleibt nicht im Weinen stehen – aber er überspringt es auch nicht. Das ist unsere Hoffnung: Gott geht mit uns durch den Schmerz hindurch, nicht an ihm vorbei. Und irgendwann ist da auch wieder Trost, Hoffnung und Lebensfreude in unserem Gesicht.
Vor einigen Jahren hatte ich eine Begegnung mit einem Menschen, die mich bis heute tief bewegt. Nur wenige Tage nach einem völlig überraschenden Tod des Ehepartners sagte mir dieser Mensch: „Weißt Du, ich habe alles verloren, was mir lieb war. Ich kann Gott nicht verstehen, dass er mir meinen Ehepartner genommen hat. Ich kann nicht mehr denken und bin wie gelähmt. Aber wenn ich jetzt meinen Glauben aufgebe, dann habe ich gar nichts mehr, was mich hält und woran ich mich halten kann.“ Das Gespräch ging dann noch weiter, aber dieser Mensch hat mir mitten in der größten Härte seines Lebens Psalm 73 durchbuchstabiert: „Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ Ein Glaube, der durch Leid und Tod geht. Bis heute bewegt mich dieser feste Glaube, der der wie ein Fels in der Brandung war. Ein Glaube, der um den Schatz wusste, dass Jesus weint und dennoch nicht machtlos ist. Auch erst recht nicht angesichts des Todes.
Pfarrer Dr. Friedemann Kuttler
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(1) Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW Band 8, S. 541–542.

„Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (Deuteronomium 26,11)
Impuls Februar 2026
Turbulente Zeiten liegen hinter mir und meiner Familie. Zeiten, in denen ich deutlich weniger zu Hause war, als es für alle Beteiligten auf Dauer gut gewesen wäre. Zeiten, in denen meine Kinder teilweise noch schliefen, als ich das Haus verließ, und bereits geschlafen hatten, als ich wieder nach Hause kam.
Ein Jahr lang bin ich fast täglich zwischen Stein bei Nürnberg und der Diakonie Stetten gependelt. Ich legte zigtausende Kilometer mit dem Auto oder dem Zug zurück. An einigen Tagen dieser sehr anstrengenden Zeit verbrachte ich mehr Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem eigenen Auto, als ich tatsächlich hier in Stetten sein konnte. Den kaum eine Woche verging ohne lange Staus auf der Autobahn und ohne Zugausfälle und Verspätungen. Das hat viel Kraft gekostet und uns als Familie einiges abverlangt.
In dieser Zeit wurde ich nicht selten von Freunden, der eigenen Familie oder Mitarbeitenden der Diakonie Stetten gefragt: „Wofür machst du das eigentlich alles?“ Die Frage hätte allerdings lauten müssen: „Für wen machst du das eigentlich alles?“
Ich bin fest überzeugt, dass Gott mich genau hier in der Diakonie Stetten haben wollte, um für ihn, unsere Klientinnen und Klienten sowie die Mitarbeitenden der Diakonie Stetten Dienst zu tun. Demnach kann ich die Frage. „Für wen oder was machst du das eigentlich alles?“ aus tiefster Überzeugung und mit echter Freude beantworten: „Ich mache es für meinen Herrn und Meister, Jesus Christus!“
“Der Monatsspruch für Februar lautet: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der HERR, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (Deuteronomium 26,11)
Nach intensiver Suche und stetigem Gebet fanden wir als Familie ein passendes Haus im Rems-Murr-Kreis, sodass wir Weihnachten gemeinsam im „Ländle” feiern konnten. Natürlich sind noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt und alle Gegenstände haben noch nicht ihren Platz im neuen Haus gefunden. Sie können sich sicher vorstellen, dass es noch jede Menge Aufgaben in Haus und Garten zu erledigen gibt, bis wir von einem echten Zuhause sprechen können. Doch es wird langsam.
Noch ist für mich und meine Familie vieles neu hier. Jeder muss noch seinen Platz in der neuen Umgebung finden. Doch wir sind als Familie wieder vereint und gehen gemeinsam in die Zukunft.
Auch wenn die letzten 15 Monate für uns als Familie sehr herausfordernd waren, sind wir Gott sehr dankbar für all das Gute, das er uns geschenkt hat, und blicken fröhlich in die Zukunft. Wir sind uns sicher: Jesus Christus begleitet uns auf all unseren Wegen und steht uns in leichten wie in herausfordernden Zeiten weiterhin bei.
Diakon Michael Merz
Pfarramtliche Dienste, Ethik und Diakonisches Profil (PED)

Verwendung des Jahreslosungs-Motivs mit Genehmigung des Verlages:
Friederike Rave: Motiv zur Jahreslosung 2026 © Präsenz Medien & Verlag, Bad Camberg. praesenz-verlag.com
„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)
Impuls Januar 2026
Eine Meditation zur ökumenischen Jahreslosung 2026
von Pfarrer Jakob Fuchs
„SIEHE“
Checklisten mit fehlenden Häkchen, Projekte und Einerlei:
Das Jahr geht los!
Was steht an? Was muss sein?
Schon sind sie festgelegt: Ziele, Kalender, Spielräume.
„Siehe!“, ruft Gott!
Den Blick sollen wir heben, über alles hinaus.
„ICH“
Manche sagen: Im eigenen Herzen liege, was man braucht
oder es liege an jedem Einzelnen: Glück und Unglück,
Friede und Unfriede, Glaube und Verzweiflung.
Dabei – sind wir im Innern doch zu wenig aufgeräumt:
Furcht, Enttäuschungen, Unvermögen, sind darin -
Sehnsüchte, eine Mördergrube manchmal.
„Ich!“, ruft Gott!
Er brächte volles Leben, das über unsere Kräfte geht.
„MACHE“
Was ich nicht kontrolliere, verdränge ich gerne.
Und es ist doch schwerer, Hilfe anzunehmen, als Hilfe zu geben.
Denn wer Unterstützung braucht, kann nicht anders, als zu vertrauen.
So viel Ohnmacht ist da,
in uns, unter uns,
aber Gott handelt.
„ALLES“
Alles, was wir einmal suchten - alles, was fehlgeht - alles, was Angst macht – alles, was schwer wiegt: Wer befreit von dem alten Ballast?
Ist nicht jede*r ein Teil von „Allem“?
Dann würde sich auch mein Leben ändern.
„NEU“
Gott öffnet die Tür.
Neu ist der Raum dahinter.
Da wird nichts verloren sein - aber nichts mehr verkehrt.
Verwandelt und frisch führt der Weg ins Neue;
voll Trost und Hoffnung;
unter seinem Segen
ist genug Mut für alles,
was kommt.

