Gedanken zwischen Himmel und Erde 2024

Geistliche Impulse

Verhindert das, was uns behindert!

Monatsimpuls Juli 2024

Seit vielen Jahrzehnten wird am ersten Sonntag im Juli das große Jahresfest der Diakonie Stetten gefeiert. Die Türen der Gebäude auf dem historischen Gelände in Stetten werden aufgemacht, und damit auch die Herzen. Freude und Trubel sind von Beginn des Tages an und bis zu seinem Schluss groß, sichtbar und spürbar. Neben dem Gottesdienst am Morgen, dem Festakt am Nachmittag und dem Konzert am frühen Abend freuen sich Menschen mit Behinderung, Angehörige, Mitarbeitende und Besuchende über allerlei Angebote und Begegnungen.

Verhindert das, was uns behindert!

So rief einst ein Aktivist für Inklusion. Zumindest beim Jahresfest wird dieser Satz verwirklicht. Alle können überall dabei sein. An allen anderen Tagen gibt es, vielen Fortschritten zum Trotz, noch zahllose Barrieren, die überwunden werden müssen. In dieser Hinsicht haben die biblischen Worte Recht, so sie uns auffordern: "Du sollst Dich nicht der Mehrheit anschließen, wenn sie im Unrecht ist." (Exodus 23,2)

Wir träumen von von dem Tag, an dem die Inklusion nicht als Luxus für eine Minderheit verstanden wird, sondern als ein Menschenrecht für alle. Dann wird es wirklich etwas zu feiern geben.
 

Quelle: Seite Juli aus dem Impulskalender 2024 der Diakonie Stetten
 

Mehr erfahren über das Jahresfest

 

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Was ist die wichtigste Regel für unser Leben?

Monatsimpuls Juni 2024

Am 14 Juni 2024 beginnt die Fußball–Europameisterschaft und die Vorfreude -auch bei mir- ist groß.

Aus diesem Grund möchte zu Beginn meines Impulses auch kurz auf die „schönste Nebensache der Welt“; sprich Fußball eingehen.

Ein Fußballspiel wird von zwei Mannschaften bestritten, von denen jede höchstens elf Spieler aufweisen darf; einer von ihnen ist der Torwart.

Ein Tor ist gültig erzielt, wenn der Ball vollständig die Torlinie zwischen den Torpfosten und unter der Querlatte überquert hat, ohne dass die Regeln vorher von der Mannschaft übertreten wurden, zu deren Gunsten das Tor erzielt wurde.

Ein Spieler muss durch Zeigen der Roten Karte des Feldes verwiesen werden, wenn er z.B. eine der folgenden Regelübertretungen begeht:

  • grobes Foulspiel,
  • ein Tor oder eine offensichtliche Torchance der gegnerischen Mannschaft durch absichtliches Handspiel verhindert (dies gilt nicht für den Torwart in seinem Strafraum),
  • anstößige, beleidigende oder schmähende Äußerungen oder Gebärden gebraucht.

Auch diejenigen von Ihnen, die nicht selbst Fußball im Verein spielen oder leidenschaftlich Spiele verfolgen, haben natürlich erkannt, was ich da aufgezählt habe: Einige der vielen Regeln, die beim Fußball gelten.

Aber warum gibt es eigentlich diese Regeln? Könnte man nicht auch ganz ohne Regeln spielen? Was würde passieren, wenn es diese Regeln beim Fußball nicht gäbe?

  • Vielleicht käme eine Mannschaft, die mit 2:1 führt, auf die Idee, das Spiel in der 75. Minute für beendet zu erklären, damit sie nicht Gefahr laufen, ihren knappen Sieg in den letzten 15 Spielminuten zu verspielen?
     
  • Vielleicht käme auch Julian Nagelsmann, der Bundestrainer der Deutschen Nationalmannschaft auf die Idee, im Auftaktspiel gegen Schottland 15 Spieler auf den Platz zu schicken, um das Auftaktspiel endlich mal wieder zu gewinnen.

Genug gesponnen, natürlich geht das alles nicht.

Wenn jede Mannschaft selbst entscheiden könnte, mit wie vielen Spielern sie aufläuft und wann sie das Spielfeld verlässt, würde Fußball nicht funktionieren und es wäre kein fairer Wettstreit möglich. Die Fußballspiele würden im absoluten Chaos enden. Die Trainer würden sich gegenseitig beschimpfen, es käme zu Tumulten auf dem Spielfeld und die Fans hätten keine Chance, ein wirkliches Fußballspiel zu sehen.

Regeln sind im Fußball also absolut notwendig. Die Regeln sind dazu da, dass es ein faires Spiel gibt und zum Schutz der Spieler vor Verletzung und Benachteiligung.

Auch außerhalb des Fußballplatzes sind Regeln wichtig und gut (auch wenn sie nicht immer angenehm sind – aber das sind die Regeln beim Fußball auch nicht immer). Gebote und Verbote bestimmen unser Leben und regeln in guter Weise das Zusammenleben in unserer Gesellschaft.

Wir brauchen Regeln, damit es im Leben fair zugeht und das miteinander Leben funktioniert. Regeln schützen – wenn sich alle daran halten – davor, dass ich nicht unfair behandelt oder verletzt werde. Sie schützen mich davor, dass mir Schaden zugefügt wird.

Einmal kam ein Mann zu Jesus und fragte ihn: Was ist die wichtigste Regel für mein Leben? Und Jesus antwortete ihm:

„Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand. Und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

Ich glaube, wir müssen uns oft die Frage stellen lassen: was ist die wichtigste Regel für unser Leben? Was ist wirklich gut für mich und für andere?

„Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen ... und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.“

Meiner Meinung nach ist darin all das zusammengefasst, was für ein Gutes Miteinander hilfreich ist.

Mit dieser Regel zeigt Gott uns, wie unser Leben gut funktionieren kann. Das soll uns dabei helfen, unser Leben gut zu gestalten. Er ermuntert dazu, uns an Regeln zu halten um in gegenseitiger Fürsorge und Liebe zu leben. Regeln als Ausdruck der gegenseitigen Verbundenheit und Liebe – im Miteinander und Füreinander.

Ganz im Sinne unserer Vision „Für eine Welt in der niemand mehr ausgegrenzt wird“.

Mit dem nachfolgenden Gebet von Johannes Thiele möchte ich alle neuen Mitarbeitenden im Kreis der Diakonie Stetten herzlich willkommen heißen; stellvertretend meinen neuen Vorstandskollegen Herrn Pfarrer Dr. Friedemann Kuttler.

Wenn ich von meinem Vertrauen sprechen will, dann sage ich:

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name.

Wenn ich erlebe, wie friedlos die Menschen sind, dann hoffe ich:

Dein Reich komme.

Wenn ich manchmal mit dem Kopf durch die Wand will, dann spreche ich:

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.

Wenn ich merke, dass das, was ich zum Leben habe, nicht selbstverständlich ist, dann bitte ich:

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Wenn ich andere spüren lasse: das geht mich nichts an, dann bete ich:

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Wenn ich es mir zu leicht machen will und nur noch mich selbst sehe, dann denke ich:

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Wenn ich manchmal richtig froh bin und fest hoffe, dass alles gut wird, dann glaube ich:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen


Dietmar Prexl
 

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Die Gnade eines guten Endes

Monatsimpuls Mai 2024

Als Vorstandsvorsitzender Pfarrer Rainer Hinzen am 19. April dieses Jahres verabschiedet wurde, wurde er während des Gottesdienstes zu dem Anlass, „entpflichtet“. Der Prälat (ein oberer Kirchenbeamter), der diese Handlung durchführte, sprach dabei ein tröstendes Wort, über das „Unfertige.“  Er erinnerte alle Anwesende daran, dass viele geschmiedeten Pläne und laufende Projekte, die man selbst begonnen hat, von anderen weitergeführt oder gar vollendet werden können.  So wichtig es ist, Ziele zu setzen und diese zu verfolgen, so gnadenvoll kann es auch sein, rechtzeitig ein Ende zu finden. Zur richtigen Zeit den Stab der Verantwortung weiterzureichen und zu vertrauen, dass es andere geben wird, die Begonnenes weiterführen werden. Das zu Können ist ein Zeichen von sowohl Reife, als auch von Weitsicht.

In dieser Zeit, in der es in unserer Einrichtung einige Wechsel an wichtigen Stellen gibt und geben wird, ist die Botschaft des Prälaten passend. Immer wieder sprechen Kolleginnen und Kollegen, die kurz vor dem Ruhestand sind, ihr Erkenntnis aus, dass es Zeit ist zu gehen. Dies meinen sie nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern tun es auch für andere und für ihre Arbeit. Neue Konzepte, frische Ideen, kreative Impulse können durchaus aus „alten Köpfen“ kommen, aber ein neuer Geist von außen kann ein Zugewinn sein.

Selbst Jesus hat das gewusst. An Himmelfahrt nahm er zum letzten Mal Abschied von seinen Jüngerer und Jüngerinnen. Seine Arbeit hier auf unserer Erde war getan. Es war Zeit für ihn zu gehen. „Es ist gut für euch, dass ich weggehe“ hat er sogar gesagt.

Fertig waren seine diversen „Projekte“ definitiv nicht. Hinterlassen hat er eine Welt voller Menschen mit harten Herzen, mit unversöhnten Konflikten und mit kranken Körpern. Armut hat er nicht verbannt, universale Gerechtigkeit hat er nicht einführen können und ein Ende der Machtkämpfe unter den Einflussreichen hat er auch nicht erwirkt.

Und trotzdem ist er gegangen. Gegangen in der Gewissheit, dass es andere geben würde, die seine Arbeit fortsetzen. Diese andere Kraft nennen wir den Heiligen Geist. Der Geist, der Menschen bis heute belebt, beflügelt, erneuert und zum Einsatz für das Leben ermutigt.

Passend ist es, dass in diesem Monat Mai – während wir uns gerade zwischen zwei Vorständen befinden (Pfarrer Kuttler wird am ersten Juni als Theologischer Vorstand die Leitung übernehmen) – wir Christinnen und Christen sowohl die Himmelfahrt Christi mit einem Feiertag bedenken, als auch zwei Tage lang das Pfingstfest feiern. Abschied und Neubeginn im religiösen Kontext.

Es ist eine Gnade zur rechten Zeit ein Ende setzen zu können.

Es ist ein Geschenk, wenn neue Anfänge von einem guten, ja, von dem Heiligen Geist begleitet werden.

Möge der Geist Gottes jeden von uns persönlich, wie auch uns alle als Diakonie Stetten beflügeln für das, was kommen wird.
 

Pfarrerin Nancy Bullard-Werner

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Die Fassung wiederfinden

Monatsimpuls März 2024

Liebe Leserinnen und Leser,

in den letzten vier Jahren habe ich das Wort „Fassungslosigkeit“ immer wieder gehört, ein Wort, das Sprachlosigkeit und Entsetzen ausdrückt. Und ich habe es auch selbst so empfunden, wenn ich an die Bilder und Nachrichten aus dieser Zeit denke, z.B. die auf Intensivstationen bäuchlings gelagerte Corona Patienten, die um ihr Leben kämpften; Russlands Krieg gegen die Ukraine; das Erstarken rechter, rassistischer und völkischer Bewegungen in Amerika, Europa und auch bei uns in Deutschland; der grausame Überfall der Hamas Terroristen und das Leid der Zivilbevölkerung im Gaza-Streifen; Sexualisierte Gewalt im Kontext von Kirche und Diakonie.

Am Ende dieses Monats feiern wir Ostern. Am Karfreitag gedenken wir des Geschehens der Kreuzigung Jesu, seine entsetzliche Todesstrafe.

Aber dann folgt der Ostersonntag. Da hören drei Frauen, die früh morgens zum Grab gehen: „Entsetzt Euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.“ (Markus 16,6)

Die Frauen bekommen dazu einen Auftrag, sollen aktiv werden, sollen nicht vor Schreck erstarren, sondern die gute Nachricht von der Auferstehung Jesu von Nazareth weitersagen.

Das ist für mich, immer wieder neu, jedes Jahr die Kernbotschaft von Ostern. Das Entsetzen, die Fassungslosigkeit sind berechtigte und sehr menschliche Reaktionen auf all das Schlimme und Böse, das geschieht. Aber mit der Auferstehung Jesu wird ein Widerwort gegeben. Nicht Tod und Vernichtung, nicht Bosheit und Ungerechtigkeit, nicht Verzweiflung und Angst habe das letzte Wort, sondern Jesus, der aus dem Tod auferstanden ist.

Ich glaube, dass das auch für uns ein guter Aufruf sein könnte: „Entsetzt euch nicht“ oder, modern: „Findet eure Fassung wieder“. Fassungslosigkeit bedeutet Empörung, macht aber auch sprachlos und stumm und ist oft Ausdruck eines Gefühls der Hilflosigkeit.

Die Frauen und später auch die Männer, wurden aktiv und blieben nicht in ihrer Trauer, ihrer Angst und ihrer Hilflosigkeit stecken. Durch den Auferstehungsglauben bleiben Menschen nicht dabei, fassungslos zu sein, sondern werden motiviert für das Gute einzutreten, für Gerechtigkeit und Frieden zu arbeiten und, wie z.B. in der Diakonie Stetten, aktiv beizutragen zu einer Welt, in der niemand ausgegrenzt wird. Menschen bekommen die Kraft, gegen ungerechte Verhältnisse zu handeln. Denn seit der Auferstehung Jesu glauben Christen, dass Gott das letzte Wort hat, selbst über den Tod hinaus.

Entsetzt euch nicht – es geht darum, nicht denen zu glauben, die sagen, dass wir doch nichts machen können, sondern dass wir uns für das Gute einsetzen, dort wo wir können, dass wir Zeichen setzen und Flagge zeigen und dass wir denen nicht das Feld überlassen, die Hass, Ausgrenzung, Spaltung und Unfreiheit wollen.


Pfarrer Rainer Hinzen

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Lachen gegen die Mühseligkeiten des Lebens

Monatsimpuls Februar 2024

"Der Himmel hat den Menschen als Gegengewicht zu den vielen Mühseligkeiten des Lebens drei Dinge gegeben: Die Hoffnung, den Schlaf und das Lachen". Dieses (verkürzte) Zitat von dem deutschen Philosophen Immanuel Kant passt bestens in den noch winterlichen Monat Februar. Der Monat, der mit seinem Grau und mit seiner überdurchschnittlichen hohen Zahl von Krankheits- und Todesfällen, schlicht ausgehalten werden muss.

Kein Wunder, dass gerade in diesem mühseligen Monat, der Fasching mit seinem trotzenden Lachen, so gern in vielen Regionen mit Lust und Freude gefeiert wird. Er hilft den Februar durchzustehen.

Dass Lachen und Freude wohltuend und sogar gesundheitsfördernd sind, ist wissenschaftlich belegt. Selbst Jesus hat einst gesagt, „meine Freude gebe ich euch, und niemand kann diese von euch nehmen.“  Jesus hat den Wert des Lachens, der Freude und des Feierns verstanden. An mehreren biblischen Stellen wird davon berichtet, wie Jesus gerne mit anderen Menschen zusammenkam, mit ihnen zu Tische saß und mit ihnen gefeiert hat. Elixier für die Seele war das für Viele, insbesondere für die, die bis dahin nur die Außenseiterrolle gekannt hatten.

Sogar am letzten Abend seines Lebens, feierte Jesus ein Fest. Vor dem Schweren und Unausweichlichen, das auf ihn wartete, ließ Jesus es sich nicht nehmen, das wichtigste und traditionellste aller Jüdischen Feste, das Passahfest, mit seinen Freunden zu zelebrieren.

Das in unserer christlichen Tradition zentrale Sakrament des Abendmahls erzählt von diesem letzten Fest im Leben Jesu. Die Gedanken und Worte der Eucharistie sind tief, schwer und geheimnisvoll. Unerwähnt bleibt die Tatsache, dass der Freundeskreis, der sich an dem Abend um Jesus befand, dort war, um zu feiern. Es wurde geredet, es wurde vermutlich gesungen und gelacht, es wurde gemeinsam gegessen, und es wurde an die Geschichte der Befreiung aus der Sklaverei erinnert, bevor Jesus diese Bedeutung durch seinen Tod auf sich selbst uminterpretieren würde.

Lachen baut uns auf, Freude stärkt uns. Das Erinnern an die eigenen Traditionen und an das, was geteilt und gemeinsam durchlebt wurde, ist kostbar und festigend. Daran dürfen wir uns festhalten.

Darum wird im Laufe dieses Jahres das 175. Jubiläum der Diakonie Stetten immer wieder mit mehreren Gottesdiensten, Veranstaltungen und Festen gefeiert. Das Dunkle, das zu der Geschichte unserer Einrichtung gehört, ebenso das Schwere, das die Gegenwart beeinflusst, soll und wird dabei nicht ausgeklammert. Aber das Viele, das über die Jahre hinweg aufgebaut, durchstanden, erreicht und erhalten wurde, darf hochgehalten werden. Es darf gefeiert und gelacht, gesungen und vielleicht sogar getanzt werden, denn „Mühseligkeiten“ gab es immer und wird es immer (und nicht nur im Februar) geben.


Pfarrerin Nancy Bullard-Werner

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