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Wie berufliche Teilhabe gelingen kann - Jobcoaches begleiten auf ausgelagerten Arbeitsplätzen
Weinstadt, 7. Oktober 2026 – Von 10. bis 20. Oktober findet bundesweit die Woche der Seelischen Gesundheit statt. Vor allem Betroffene von schweren psychischen Erkrankungen benötigen wirksame Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz. Die Remstal Werkstätten der Diakonie Stetten unterstützen Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen auf ausgelagerten Arbeitsplätzen. Jobcoach Torsten Unger begleitet seit knapp sechs Jahren Manuel Sigle, der aufgrund seiner psychischen Erkrankung im Rahmen eines ausgelagerten Arbeitsplatzes bei der Firma Asys Assembly Solutions GmbH in Weinstadt arbeitet.

Torsten Unger (Mitte), Jobcoach bei den Remstal Werkstätten, begleitet Manuel Sigle (rechts) seit sechs Jahren auf dem ausgelagertem Arbeitsplatz. Tarek Abdul-Khalek steht Manuel Sigle als Betreuer in der Firma zur Seite.
„Ich bin gelernter Mechatroniker. Im dritten Lehrjahr habe ich zum ersten Mal eine Psychose bekommen. Es kamen einfach viele Faktoren zusammen, die diese Erkrankung ausgelöst haben. Dann ging gar nichts mehr“, erinnert sich Manuel Sigle, der zu dieser Zeit 19 Jahre alt war. Die Erkrankung äußerte sich in extremen Schlafproblemen und großer Erschöpfung, einer falschen Wahrnehmung sowie Konzentrationsproblemen. Nach einiger Zeit stabilisierte sich sein Zustand wieder, so dass er seinen Abschluss machen konnte. „Ich wurde dann aber leider nicht übernommen und war eine Weile arbeitslos. Später arbeitete ich bei einer Firma in Untertürkheim, zu der ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln immer sehr lange unterwegs war. Daher wechselte ich zu einer anderen Firma in Kernen, die dann aber insolvent wurde“, erzählt der 40-Jährige. Im Jahr 2015 entschloss sich Manuel Sigle seine Tabletten abzusetzen, „was ein großer Fehler war“, denn daraufhin folgte ein weiterer Zusammenbruch. „Das war sehr schlimm. So etwas möchte ich nicht mehr erleben“, sagt der Weinstädter. Im Rahmen einer Maßnahme fand er anschließend Unterstützung durch die Remstal Werkstätten und absolvierte ein dreimonatiges Eingangsverfahren und 24 Monate im Berufsbildungsbereich. „Anschließend arbeitete Herr Sigle eine Weile in den Remstal Werkstätten im Bereich Verpackung. Aber wir haben gemerkt, dass er hier unterfordert ist. Er wünscht sich ein Höchstmaß an Normalität und daher haben wir nach einem Arbeitsplatz in einem Unternehmen für ihn gesucht“, berichtet Torsten Unger, Jobcoach bei den Remstal Werkstätten.
Seit 2019 arbeitet Manuel Sigle nun bei der Firma Asys Assembly Solutions GmbH auf einem ausgelagerten Arbeitsplatz und wird dabei von Jobcoach Torsten Unger unterstützt. Der ausgelagerte Werkstattarbeitsplatz ermöglicht ihm seine Fähigkeiten in das Unternehmen einzubringen sowie eine berufliche Teilhabe auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Ich komme regelmäßig in die Firma und wir besprechen anstehende Themen. In Krisensituationen komme ich auch öfter, aber Herr Sigle ist sehr stabil und hat sich so gut ins Team eingefunden, dass es gar nicht nötig ist“, sagt Torsten Unger. Auch Manuel Sigles Betreuer in der Firma, Tarek Abdul-Khalek, kann dies nur bestätigen: „Herr Sigle führt alle Aufgaben bestens aus und er hat sich sehr gut ins Team integriert. Er arbeitet in der Montage, übernimmt selbständig die Elektroprüfung und unterstützt als Elektriker. Wir freuen uns, dass wir ihm solch einen Arbeitsplatz bieten können und seine Anwesenheit und Arbeit sind auch für uns ein Mehrwert“.
Als Jobcoach unterstützt Torsten Unger die Klientinnen und Klienten mit psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen im jeweiligen Unternehmen bei aufkommenden Fragen, in der Kommunikation zum jeweiligen Unternehmen, bei der Anpassung des Arbeitsplatzes und der Aufgaben sowie der psychosozialen Betreuung vor Ort. Er hilft bei administrativen Kontakten, berät die Arbeitgeber und stellt Kontakt zu interessierten Firmen her. „Psychische Erkrankungen können Menschen in jeder Lebensphase und Lebenslage treffen. Sie gehören zur Lebensrealität vieler Menschen unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation. So begleite ich z. B. auch Klientinnen und Klienten mit einem abgeschlossenen Jura-, Physik- und Chemiestudium“, berichtet Torsten Unger. Umso wichtiger sei es, dass es noch mehr Unternehmen wie die Asys Assembly Solutions GmbH gebe, die offen dafür seien, ausgelagerte Arbeitsplätze anzubieten. „Die Firma war vom ersten Arbeitstag an sehr bemüht, zugänglich und ehrlich. Auch in den wirtschaftlichen Krisenzeiten haben wir immer lösungsorientiert zusammengearbeitet und es wurde immer alles dafür getan, dass Herr Sigle bleiben konnte“, berichtet Torsten Unger.
Manuel Sigle arbeitet 30 Stunden in der Woche und er kann seine Arbeitszeit flexibel gestalten, so dass er sich auch mal einen Freitag frei nimmt. In seiner Freizeit engagiert er sich in der Tontechnik des Christuszentrums Weinstadt und der Glaube gibt ihm viel Halt. Der Weinstädter wohnt in der Nähe seiner Familie in einer Wohnung und gestaltet seinen Alltag sonst selbständig. „Ich fahre gerne Fahrrad, treffe mich mit Freunden und bin auch immer bei den Teamevents der Firma mit dabei“. Er ist froh, dass er nun seit einigen Jahren ein stabiles Leben führen kann und hofft, dass aus dem ausgelagerten Arbeitsplatz bald wieder ein Arbeitsplatz auf dem ersten Arbeitsmarkt werden könnte. „Ich fühle mich sehr wohl in der Firma und hoffe, dass ich bleiben kann“.
