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Wenn aus Betreuung Familie wird - Begleitetes Wohnen in Familien unterstützt Pflegefamilien
Esslingen-Nellingen, 9. September 2026 – Die 18-jährige Elina Müller* lebt seit sie sieben Wochen alt ist bei Familie Schäuble in Esslingen. Die junge Frau hat aufgrund einer genetischen Erkrankung eine schwere Behinderung. Sie hat ihren festen Platz in der Familie und bereichert das Zusammenleben mit ihrer positiven Ausstrahlung und Lebensfreude. Die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen in Familien der Diakonie Stetten kommen ein bis zweimal im Monat in die Familie und führen reflektierende Gespräche über den Alltag, helfen bei Anträgen oder vermitteln Kontakte zu Netzwerken.

Eva Rosentreter (rechts), Sozialarbeiterin im Begleiteten Wohnen in Familien, kommt ein bis zweimal im Monat zu Familie Schäuble und unterstützt bei den unterschiedlichsten Themen, die aufkommen.
Elina Müller war das dritte Pflegekind, das SilviaSchäuble vorrund 18 Jahren von heute auf morgen zu sich nahm und für sie sorgte. Neben Elina Müller betreute Silvia Schäuble zwei weitere Kinder ohne Behinderung, die inzwischen erwachsen sind und nicht mehr zu Hause leben. Außerdem lebt der 13-jährige Vincenzo, der wie Elina eine Behinderung hat, noch bei der Familie. „Elina kam damals mit sieben Wochen über das Jugendamt zu uns. Unmittelbar nach ihrer Geburt wurde festgestellt, dass sie eine schwere Behinderung hat. Ihre leiblichen Eltern hatten damals eine sehr düstere Prognose bekommen, die sich glücklicherweise so nicht bestätigt hat. Sie waren im Schock und völlig mit der Situation überfordert“, erinnert sich die gelernte Krankenschwester. Sie und ihr Mann konnten keine eigenen Kinder bekommen und entschieden sich daher dafür Pflegeeltern zu werden. „Für eine Adoption waren wir damals zu alt, aber ein Leben ganz ohne Kinder konnte ich mir nicht vorstellen“, sagt die 65-Jährige, die sich in den vergangenen Jahren immens dafür einsetzte, dass die junge Frau mit Behinderung so selbständig wie möglich werden konnte.
Elina Müller geht in die Rohräckerschule in Esslingen, an der Silvia Schäuble auch arbeitet. „Elina braucht eigentlich in allen Bereichen Unterstützung. Sie hat keine zeitliche Orientierung und kann nicht sprechen. Sie benötigt Unterstützung bei der Körperhygiene sowie beim An- und Ausziehen und auch das Essen muss ich ihr mundgerecht vorbereiten“, sagt Silvia Schäuble, die im Laufe der Jahre auch ohne verbale Kommunikation gelernt hat, die Bedürfnisse der Pflegetochter zu erkennen. Trotzdem habe sie im Laufe ihrer Entwicklung mehr erlernt, als behandelnde Fachkräfte vorausgesagt hätten. „Wir haben sehr viele Therapien gemacht. Elina hat erst mit über vier Jahren das Laufen gelernt, kurz nachdem wir regelmäßig zur Reittherapie gegangen sind“, berichtet Silvia Schäuble. Die Pflegemutter beziehe die Pflegekinder in alltägliche Aufgaben, wie z. B. den Tisch decken, so weit es gehe mit ein. Ihr ist wichtig so zu leben, wie es auch andere Familien tun: „Ich nehme meine Pflegekinder überall mit hin. Wir gehen einkaufen, Eis essen, ins Schwimmbad, zu Geburtstagen und auch einmal im Jahr in den Urlaub“. Zwar sei der Alltag von vielen Therapieterminen von Elina und Vincenzo geprägt, doch sie hätten genauso ihre Abläufe im Alltag wie andere Familien auch.
Für Silvia Schäuble sind die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen in Familien der Diakonie Stetten wichtige Ansprechpartner. So kämen sie gemeinsam in den Gesprächen immer wieder auf Themen, an die sie selbst oft nicht denke. „Seit Elina 18 Jahre alt ist, sind wir für Familie Schäuble zuständig. Zuvor betreute das Jugendamt die Familie. Wir kommen ein bis zweimal im Monat in die Familie und führen reflektierende Gespräche über den Alltag, beraten bei Anträgen oder besprechen sozialrechtliche Themen“, sagt Sozialarbeiterin Eva Rosentreter. Auch in Krisen stehen die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen zur Verfügung und beraten. „Mit unserem Blick von außen haben wir noch mal eine andere Perspektive und können auch zu Entlastungsangeboten für die Gasteltern beraten, wie z. B. die Kurzzeitpflege oder Kontakt zu anderen Gastfamilien herstellen“, erklärt Eva Rosentreter. Sie findet es „bemerkenswert, wie Familie Schäuble diese inklusive Lebensgemeinschaft gestaltet und für die Pflegekinder diese familiäre Umgebung geschaffen hat“.
Elina Müller sieht ihre leiblichen Eltern auch heute noch regelmäßig alle 14 Tage. „Pflegeeltern zu sein ist eine intensive und anspruchsvolle Aufgabe. Aber ich bekomme so viel von den Kindern zurück. Ich habe es nie bereut, es ist mein Lebensinhalt und das Leben mit den Kindern ist eine Bereicherung für mich“, sagt Silvia Schäuble.
*Nachname von der Redaktion geändert
Information:
Die Diakonie Stetten vermittelt in mehreren Landkreisen, wie z. B. Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen, Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis oder Schwäbisch Hall im Rahmen des „Begleiteten Wohnen in Familien“ Menschen mit Behinderung in Gastfamilien. Menschen mit einer Behinderung, die in einer Gastfamilie leben möchten, können sich an das Begleitete Wohnen in Familien wenden. Ebenso Familien oder Einzelpersonen, die für ein solches Zusammenleben offen sind. Das Begleitete Wohnen in Familien nimmt alle Anfragen entgegen und prüft sorgfältig, wer zu wem passen könnte. Gastfamilie und Klientinnen sowie Klienten mit Behinderung werden nach der Vermittlung von den Fachkräften des Fachdiensts dauerhaft unterstützt und beraten. Wer interessiert ist, kann sich an das Begleitete Wohnen in Familien wenden unter Telefon 07151 940-1076 oder per Mail unter bwf@diakonie-stetten.de
