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Weiterer Gedenkort in Diakonie Stetten - Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar
Kernen-Stetten, 22. Januar 2026 – Am 27. Januar ist der jährliche Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. 406 Menschen mit Behinderung wurden während der NS-Zeit mit den Transportbussen der ehemaligen Deutschen Reichspost aus der damaligen Anstalt Stetten abgeholt und in den Tötungsanstalten Grafeneck und Hadamar umgebracht. Die Diakonie Stetten hat im Wildermuthhaus unweit des „Stein des Gedenkens“ einen weiteren Gedenkort an die ermordeten Menschen mit Behinderung geschaffen: Die Tonfiguren des Künstlers Jochen Meyder stehen dort vor einer großen Tafel mit dem historischen Foto der Transportbusse symbolisch für die Opfer aus der damaligen Anstalt Stetten.

Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, mit den Tonfiguren für die Opfer des Nationalsozialismus am neuen Gedenkort im Wildermuthhaus. (Foto: Steffen Wilhelm)
In Grafeneck auf der Schwäbischen Alb begann im Januar 1940 der systematische und planmäßige Mord an Menschen mit Behinderung. Auch Menschen aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Stetten wurden in den Transportbussen der ehemaligen Deutschen Reichspost dorthin deportiert und gleich nach ihrer Ankunft in der Gaskammer umgebracht. Die Anstalt Stetten selbst wurde beschlagnahmt und geschlossen. Im Jahr 2017 holte die Diakonie Stetten die Tonfiguren des Künstlers Jochen Meyder für die Stettener Opfer in die Einrichtung. Der Künstler hat insgesamt 10 654 Tonfiguren in mühsamer Handarbeit symbolisch für die Opfer der Euthanasie erschaffen. Sein Wunsch ist es, dass die „Figuren als Botschafter in die Welt getragen werden und als diffundierendes Denkmal stehen“.
Jetzt stehen die Tonfiguren im Erdgeschoss des Wildermuthhauses vor einer großen neu gestalteten Tafel mit dem historischen Foto der Transportbusse. Das schwarz-weiße Foto zeigt, wie ein Kind sowie weitere Bewohnerinnen und Bewohner zum Bus geführt werden. „Das Foto wurde damals heimlich aus dem Verwaltergebäude gegenüber des Wildermuthhauses aufgenommen. Links des fotografierten Busses war noch ein zweiter Bus, denn es waren immer zwei Busse. Rechts davon stand das Auto des Arztes aus Grafeneck, der in der Regel immer mit dabei war. Die Fenster waren lackiert, so dass niemand in die Busse reinschauen konnte“, erzählt Andreas Stiene vom Historischen Archiv der Diakonie Stetten. Auf der Tafel findet sich eine Erklärung in Einfacher Sprache darüber, was die Tonfiguren bedeuten und wie die Nationalsozialisten in der Zeit des Nationalsozialismus Menschen mit Behinderung systematisch ermordeten. Über einen QR-Code lassen sich weitere Informationen über diese Zeit auf der Webseite der Diakonie Stetten einsehen.
„Es war uns wichtig, diesen weiteren Gedenkort zu schaffen, damit die Tonfiguren einen würdigen Platz bekommen und jeder sich in Einfacher Sprache über dieses dunkelste Kapitel in der Geschichte der Diakonie Stetten informieren kann. Er ist ein weiterer Baustein in unserer Erinnerungskultur an diese grausame Zeit, die nicht in Vergessenheit geraten darf“, sagt Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten. Gedenkorte und Gedenktage erinnerten uns daran, wozu Menschen fähig seien, wenn Würde, Mitgefühl und Verantwortung verloren gingen. „In öffentlichen Diskussionen um soziale Ausgaben werden zurzeit immer wieder Stimmen laut, dass Menschen mit Behinderung Kostentreiber des Systems sind. Das verstärkt Missverständnisse und verstärkt eine ohnehin sensible Debatte. Das macht das Erinnern umso dringlicher. Gedenkorte mahnen uns, wohin Ausgrenzung, Menschenverachtung und das Schweigen der Mehrheit führen können“, so Dietmar Prexl. Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus verpflichte uns nicht nur zum Erinnern, sondern auch zum Handeln. „Jeder kann dafür einstehen, dass Menschen mit Behinderung als gleichwertige Mitglieder unserer Gesellschaft gesehen werden, deren Würde, Rechte und Teilhabe uneingeschränkt zu achten und zu fördern sind“.
Information:
Der neue Gedenkort auf dem Gelände der Diakonie Stetten im Erdgeschoss des Wildermuthhauses gegenüber des „Stein des Gedenkens“ kann zu den Öffnungszeiten täglich von 8 bis 18 Uhr besichtigt werden.
