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Weinberg-Wohnungen für heimische Singvögel - Angehende Azubis bauen Nisthilfen für Erzeugergemeinschaft und tragen zur Sicherung der Artenvielfalt bei

Kernen/Esslingen, 06. Juli 2021 - Die Diakonie Stetten und die Weinkellerei Wilhelm Kern haben sich für ein innovatives Kooperationsprojekt zusammengetan, bei dem Naturschutz und Soziales Hand in Hand gehen.

Seit Jahren nimmt die Zahl von Spatzen, Meisen und anderen Singvögeln in unseren Regionen ab. Bereits die Hälfte der kleinen Sänger steht auf der Roten Liste. Zu den vielfältigen Gründen gehört, dass durch das Insektensterben die Nahrung knapper wird. Auch Nisthöhlen in Astlöchern von alten Bäumen sowie Scheunen werden immer seltener. Deshalb sind Vogelnistkästen mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil zum Erhalt unterschiedlicher Singvogelarten.

Die biologische Vielfalt erhalten

Das weiß auch Weinmacher Christoph Kern. Gemeinsam mit seinen Eltern, Onkel und Tante führt er die Weinkellerei Wilhelm Kern in Kernen-Rommelshausen. Seit 2019 erzeugt der Familienbetrieb seine Weine nachhaltig. Das Fair’nGreen-Siegel, mit dem die Weine ausgezeichnet werden, steht dabei für Naturschutz, nachhaltige Betriebsführung und gesellschaftliches Engagement. Im Rahmen dieser langfristig angelegten Unternehmensstrategie hat Christoph Kern nun Kontakte zur Diakonie Stetten geknüpft. „Wir wollen jedes Jahr einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten“, begründet der studierte Getränketechnologe und Wirtschaftsingenieur den Schritt. Die Biodiversität retten, dazu zählen bei Kerns Insekten-freundliche Blühmischungen, ein Steinkauz-Projekt – und nun eben der Wunsch nach dem Bau von Vogelnistkästen, den der Jungwinzer an Jelena Fazio, in der Diakonie Stetten verantwortlich für Unternehmenskooperationen und Stiftungen, herangetragen hat.

Soziale Kompetenzen stärken

Der Prototyp, den Rene Blattner kurze Zeit später vorstellte, fand Anklang. Und so nahm der Ausbilder gemeinsam mit 14 jungen Menschen, die zurzeit im Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) Esslingen an einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) teilnehmen, die Produktion auf. Das BAZ Esslingen gehört zum Geschäftsbereich Berufliche Bildung der Diakonie Stetten. Im Rahmen einer BvB – finanziert durch die Agentur für Arbeit - werden junge Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen auf den Einstieg ins Berufsleben und die Aufnahme einer Ausbildung vorbereitet.

Beim Bau der 50 bestellten Vogelnistkästen konnten die Jugendlichen zeigen, was sie handwerklich draufhaben. Die Nisthilfen wurden aus unbehandeltem Kiefernholz gesägt, mit Schablonen Einfluglöcher von jeweils 28 Millimeter Durchmesser aufgetragen und ausgesägt. „Es wurde eine kleine Fertigungsstraße aufgebaut. Jeder hatte seine Aufgabe“, beschreibt Rene Blattner den Ablauf. Am Ende hätten alle die Werkstücke kontrolliert und sich selbst bewertet. Letztlich habe der Auftrag bei den Jugendlichen auch zur Förderung sozialer Kompetenzen und zur Persönlichkeitsentwicklung beigetragen.

Naturschutz als Motivation

„Das Projekt passt deshalb sehr gut zur Philosophie, die wir verfolgen“, betont Christoph Kern. Nicht zuletzt, weil während der Arbeit innerhalb der BvB-Gruppe auch über Themen wie Umweltschutz und Naturschutz diskutiert wurde. „Das hat uns motiviert. Es gibt immer weniger Brutplätze für Vögel. Deshalb sind unsere Kästen so wichtig“, erzählt BvB-Teilnehmerin Celina, die Rene Blattner gemeinsam mit Justin zur Übergabe der Vogelnistkästen begleitete. Apropos Justin. Er hatte eine besondere Aufgabe übernommen und den fertigen Nisthilfen sozusagen den Stempel aufgedrückt. Damit die Kästen eindeutig erkennbar sind, hatte die Firma Kern Brennstempel gesponsert. Nun ist die Kooperation von BAZ (Diakonie) und der Kellerei für immer im Holz verewigt.

Verantwortung für die Lebensgrundlage

Mit mehr als 150 Winzern arbeitet die Firma Kern, die übrigens seit 1903 besteht, zusammen. Die im BAZ hergestellten Nistkästen sollen zusammen mit einer Anleitung zum richtigen Anbringen der Kästen an ihre Wengerter verschenkt werden. Über das erste Exemplar konnte sich der Wein- und Obstbauer Ulrich Bellon freuen. Er arbeitet seit 1996 mit Kerns zusammen und möchte den Nistkasten in seinem Weinberg aufhängen. Zum Thema Natur- und Klimaschutz hat er eine klare Meinung: „Wir sind jeden Tag in der Natur und haben eine Verantwortung für unseren Boden und unsere Pflanzen. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung wie Hagel und Starkregen zerstören unsere Lebensgrundlage. Auch deshalb haben wir ein Interesse daran, unsere Natur zu erhalten.“

Ausblick: Künftig werden die sozialen Kontakte der Firma Wilhelm Kern zur Diakonie Stetten um eine kulturelle Zusammenarbeit erweitert. Geplant ist 2022 eine Ausstellung der Kreativen Werkstatt.

Info:
Neben dem Schutz bedrohter Fauna bieten Nisthilfen Gelegenheit zu spektakulären Naturbeobachtungen und aktivem Naturerlebnis unmittelbar vor unserer Haustür. Und: Sie sollten bereits im Herbst aufgehängt werden, da sie nicht nur im Frühjahr als Brutstätte, sondern von einigen Vogelarten im Winter gern als Schutz- bzw. Schlafstätte genutzt werden.

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