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„Schlaraffenland-Rhetorik greift fehl“ - Kritik an Aussagen von Stuttgarts OB Frank Nopper

Kernen/Stuttgart, 16. Januar 2026 – Die Aussagen von Stuttgarts OB Frank Nopper zu Einsparpotenzialen in der Eingliederungshilfe stoßen bei Dietmar Prexl, dem Vorstandsvorsitzenden der Diakonie Stetten, auf deutliche Kritik. Der richtige Hebel für notwendige Einsparungen bei den Kommunen liegt für ihn in modernen Prozessen, nicht in Kürzungen zulasten von Menschen mit Behinderungen und deren Recht auf Teilhabe.

In der aktuellen Debatte um die kommunalen Haushalte hat Stuttgarts Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper in der Stuttgarter Zeitung (13.01.2026, „Abschied vom Schlaraffenland“) die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden als Ende eines vermeintlichen „Schlaraffenlands“ bezeichnet – und dabei auch Angebote für Menschen mit Behinderungen in den Blick genommen. Die Wortwahl reiht sich ein in eine Reihe zugespitzter Beiträge aus der kommunalen Politik Baden-Württembergs, darunter die Aussagen von kommunalen Spitzenvertretern sowie die gemeinsame Pressekonferenz der Oberbürgermeister von Tübingen, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Esslingen.

Dietmar Prexl kritisiert diese Rhetorik deutlich: „Die ‚Schlaraffenland‘-Metapher greift in dieser Debatte völlig fehl. Sie verschiebt den Blick weg von einem lösbaren Verwaltungs- und Strukturproblem hin zu einer Diskussion über vermeintliche Überversorgung. Entscheidend ist aber, Teilhabe verlässlich zu sichern – und gleichzeitig Kommunen spürbar zu entlasten: durch konsequenten Bürokratieabbau, klare Standards und durchgängige digitale Prozesse.“

Dass die Wortwahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters viele Menschen mit Behinderungen verletzt, hat zuletzt auch die Landes-Behindertenbeauftragte Nora Welsch bestätigt. Die Lebensrealität der Betroffenen sei „weit von einem Schlaraffenland entfernt“.

„Nicht klagen – tun“: Der schnellste Sparhebel liegt in Standards und Digitalisierung

Prexl ergänzt: „Wer ernsthaft sparen will, muss dorthin schauen, wo heute unnötig Zeit, Personalressourcen und Geld gebunden werden: in papierbasierte, uneinheitliche und teildigitale Verwaltungsabläufe. Eine konsequente, medienbruchfreie Digitalisierung der Leistungs-, Abrechnungs- und Kommunikationsprozesse in der Eingliederungshilfe kann Bürokratie- und Prozesskosten deutlich reduzieren – ohne eine einzige Leistung kürzen zu müssen.“

Strukturreformen und Standardisierung sind laut Prexl bereits heute möglich – wenn Verwaltung, Kommunen und Träger gemeinsam handeln. Der Fokus müsse auf Effizienz und Wirksamkeit liegen, nicht auf pauschalen Kürzungsdebatten, die Menschen mit Behinderung zu Unrecht unter Rechtfertigungsdruck setzen.

#NichtamMenschensparen – Allianz für Bürokratieabbau

Prexl appelliert an Nopper und macht ihm zugleich ein Angebot: „Herr Oberbürgermeister, wenn gespart werden muss, dann dort, wo es richtig wirkt – in ineffizienten Prozessen und überholten Strukturen. Wir sind bereit, sofort mit der Stadt Stuttgart an Standards, Vereinheitlichungen und digitalen Abläufen zu arbeiten. So bleibt Teilhabe verlässlich – und die Verwaltung wird spürbar entlastet“.
 

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