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Helfen ist Familiensache - Frank Ehleiter und Lilli Hauser drehen ehrenamtlich Runden mit der E-Rikscha durch Esslingen.
Esslingen, 15. Oktober 2026 – Knapp 50 erwachsene Menschen mit Behinderung leben im Wohnverbund der Diakonie Stetten im Herzen der Stadt. Ohne das Engagement von Ehrenamtlichen wären viele Ausflüge und Aktivitäten nicht möglich. Die Fahrten mit dem E-Rollstuhl und der E-Rikscha vergrößern nicht nur den möglichen Radius – die Bewohnerinnen und Bewohner genießen sie auch sehr. Frank Ehleiter und Lilli Hauser fahren als Vater-Tochter-Gespann ehrenamtlich durch die Altstadtgassen. Der Wohnverbund sucht weitere Freiwillige wie sie.

Lilli Hauser und Bernd Ehleiter fahren als ehrenamtliches Vater-Tochter-Gespann Menschen mit Behinderung durch Esslingen.
„Ich hatte in meinem bisherigen Leben keinerlei Berührungspunkte zu Menschen mit Behinderung“, erzählt Frank Ehleiter. Als sich der 59-Jährige Anfang 2026 vorzeitig aus dem Berufsleben bei einem Stuttgarter Automobilhersteller verabschiedete, berichtete ihm ein Freund von den E-Rikschas, die es an einigen Standorten der Diakonie Stetten gibt. Unter anderem beim Wohnverbund Esslingen, zu dem auch ein Förder- und Betreuungsbereich der Remstal Werkstätten gehört. „Das fand ich spannend, also habe ich mich einfach beworben. Seitdem fahre ich regelmäßig Rikscha.“
Für Bernd Kiener, den Leiter einer der vier Fördergruppen, sind Ehrenamtliche wie Frank Ehleiter „tolle Joker“, wie er sagt. Da gebe es zum Beispiel die Mutter eines Bewohners, die oft auf dem Klavier vorspielt. Oder einen Ehrenamtlichen, der zwei Bewohner wöchentlich zur Reittherapie fährt und einen weiteren, der sich um das Aquarium der Wohngruppen kümmert. „Das alles sind Dinge, die wir mit unseren Kapazitäten so nie anbieten könnten“, berichtet Bernd Kiener. Die 2022 angeschaffte E-Rikscha nutzen er und seine Kolleginnen und Kollegen zwar auch regelmäßig. Doch damit wirklich alle interessierten Klientinnen und Klienten in den Genuss einer Fahrt kommen, braucht es ehrenamtliche Unterstützung.
Die Freude der Menschen macht gute Laune
Umso größer war die Freude bei den Fachkräften, als Frank Ehleiter kurzerhand auch noch seine Tochter Lilli Hauser mitbrachte, die einen Monat als Ferienkraft im Wohnverbund mitanpackte. „Mein Papa hat immer so begeistert von seinem Ehrenamt erzählt. Und da ich mich ohnehin schon immer mal ehrenamtlich engagieren wollte, habe ich mich beworben“, erzählt die 23-jährige Studentin. Ihr Fazit nach einem Monat: „Ich wurde gut an die Hand genommen, man hat mir immer klar gesagt, was ich machen soll. Und die Freude der Bewohnerinnen und Bewohner macht einfach gute Laune.“ Die Ausfahrten mit ihrem Papa waren stets das Highlight: „Auf der Straße wurden wir so oft angelächelt. Das hat mich total bestärkt. Wer damit liebäugelt, sich zu engagieren, dem kann ich nur empfehlen, den Mut zusammenzunehmen – es lohnt sich auf jeden Fall.“
Für Lilis Vater ging die Ehrenamts-Reise sogar noch weiter: „Ich wusste anfangs nicht, wie ich auf die mir völlig unbekannte Situation reagieren würde. Aber schon am ersten Tag war ich begeistert: Wie die Menschen sich freuen und Kontakt mit mir aufnehmen – das hat mir total gefallen.“ Um die Klientinnen und Klienten aus der Wohngruppe noch mehr zu verstehen und besser für die Arbeit gerüstet zu sein, ließ sich Frank Ehleiter bei der Diakonie Stetten zum Inklusionsbegleiter schulen. Zudem wurde er Vertrauensmitarbeiter der Wohngruppe und vertritt die Interessen der Bewohnerinnen und Bewohner vor der Leitung. Darüber ist auch Wohnverbundleiter Julian Brandt begeistert: „Es ist fantastisch, dass Frank den Bewohnerbeirat begleitet. Er bringt den unverbrauchten Blick von außen ein, der auch uns dazu bringt, unsere Arbeit zu hinterfragen. Das ist ein Riesenmehrwert.“
„Wir freuen uns über jede helfende Hand“
Andere Ehrenamtliche soll das überdurchschnittliche Engagement Frank Ehleiters aber keinesfalls verunsichern. „Wir erwarten von niemandem mehr Einsatz, als er oder sie auch leisten möchte“, versichert Fördergruppenleiter Kiener. „Wir freuen uns über jede helfende Hand. Jeder kann sich so viel und auf welche Art er oder sie möchte einbringen. Da sind wir offen für alle Ideen.“ Weil die Bewohnerinnen und Bewohner es aber so genießen, die Geschwindigkeit und den Wind um die Nase zu spüren und die Stadt mit ihren Reizen auf diese Weise zu erleben, freue er sich sehr über Verstärkung auf der E-Rikscha.
Frank Ehleiter nimmt sich derzeit einen Monat Auszeit und pilgert auf dem Jakobsweg. Danach kann man ihn in der Esslinger Innenstadt aber wieder seine Runden drehen sehen. Denn der Wechsel von der Automobilbranche zur E-Rikscha war auch für ihn ein echter Glücksgriff: „Ich hatte schon einige Ehrenämter“, sagt er, „aber dieses macht mir mit Abstand am meisten Spaß.“
Info:
Wer sich für ein Ehrenamt in Esslingen oder auch an einem anderen Standort der Diakonie Stetten interessiert, kann sich an Bernd Kiener wenden. Auch Interessierte an Ferienarbeit, FSJ oder Freiwilligendienst dürfen sich gerne melden.
E-Mail: bernd.kiener@remstal-werkstaetten.de
Telefon: 0711 9318 54324
