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Entlastung für beide Seiten - Gast-Eltern-Initiative vernetzt Familien von Kindern mit Behinderung
Esslingen/Kernen-Stetten, 3. November 2026 – Die "Gast-Eltern-Initiative" der Diakonie Stetten bietet Kindern und Jugendlichen mit Behinderung aus dem Landkreis Esslingen und dem Rems-Murr-Kreis kurzzeitig ein Zuhause in Gastfamilien und schafft so mehr Freiraum für die Eltern. In Esslingen gibt es das Kurzzeitwohnangebot in Gastfamilien, das von den Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen in Familien unterstützt wird, seit dem Jahr 2017. Familie Hailer aus Esslingen bietet Familien von Kindern mit Behinderung Kurzzeitpflegeplätze und nutzt das Angebot selbst für ihre Tochter. Das Netzwerk, das für Familien mit Kindern mit Behinderung wertvolle Entlastung bietet, soll nun auch im Rems-Murr-Kreis weiter ausgebaut werden.

Bianca Hailer (links) ist dankbar für die Gast-Eltern-Initiative: Luana (dritte von links) erhält wertvolle Impulse von der Gastfamilie, während ihre Mutter mehr Zeit für die andere Tochter hat. Tünde Ullrich (rechts) vom Begleiteten Wohnen in Familien berät die Familien und unterstützt bei aufkommenden Themen.
Luana Hailer ist eine fröhliche Teenagerin, die oft reitet und unheimlich gerne mit Tieren zusammen ist. Sie geht regelmäßig in die Jugendgruppe im Tierpark Nymphaea, denn der Umgang mit Tieren tut ihr gut. Neben diesem Hobby ist der Alltag der 14-Jährigen von Ergo- und Physiotherapie geprägt, denn das Mädchen hat Epilepsie und eine Entwicklungsverzögerung. „Luana benötigt im Alltag viel Unterstützung, wie z. B. bei der Körperpflege. Wir müssen sie regelmäßig ans Trinken und Essen erinnern und können sie auch nicht alleine lassen“, erzählt ihre Mutter Bianca Hailer. Die Gast-Eltern-Initiative wurde im Jahr 2017 von der Diakonie Stetten in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Esslingen gegründet. Seit 2021 gibt es dieses Angebot im Regelbetrieb. Familie Hailer nimmt seit mehreren Jahren Gastkinder in Kurzzeitpflege und nutzt umgekehrt selbst das Angebot der Kurzzeitpflege für ihre Tochter Luana. „Ich arbeite an der Rohräckerschule mit Kindern mit Behinderung und bin selbst seit vielen Jahren pflegende Mama. Ich wollte immer schon helfen und unterstützen. Gleichzeitig bietet die Gast-Eltern-Initiative für uns Entlastung, da wir noch eine sechsjährige Tochter haben“, sagt Bianca Hailer. Geschwisterkinder gerieten häufig in den Hintergrund. Wenn Luana bei einer anderen Familie in Kurzzeitpflege sei, hätten die Eltern daher die Möglichkeit, die gemeinsame Zeit mit ihrer jüngeren Tochter bewusst und intensiv zu nutzen.
„Gastfamilien können Familien, Ehepaare oder auch Alleinstehende sein, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung für eine kurze Zeit bei sich aufnehmen“, erzählt Tünde Ullrich vom Begleiteten Wohnen in Familien der Diakonie Stetten. Sie berät sowohl die Herkunftsfamilien als auch die Gastfamilien, erfasst den Unterstützungsbedarf des Kindes, prüft interessierte Gastfamilien auf Eignung und vermittelt die Kinder in eine passende Gastfamilie. „Die Grundidee der Gast-Eltern-Initiative ist, dass sich Eltern von Kindern mit Behinderung vernetzen. Es ist wichtig, dass die Familien zueinander Vertrauen aufbauen. Daneben beraten wir bei Anträgen zur Verhinderungspflege und Möglichkeiten der Kostenübernahme“, erklärt die Mitarbeiterin. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen die Familien bei der Kommunikation sowie beim Informationsaustausch untereinander. „Wir schauen, dass sich die Kinder und Jugendlichen in der anderen Familie wohlfühlen und bereiten die Aufenthalte vor. Dabei kommen die Kinder und Jugendlichen bei ihren Aufenthalten immer wieder in die gleiche Familie. Außerdem besprechen wir im Nachgang aufkommende Themen oder Probleme“, sagt Tünde Ullrich. Wichtig sei, dass die Familien offen miteinander umgehen und diese ansprechen. So stehen die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen auch für pädagogische Fragestellungen zur Verfügung und sorgen dafür, dass die wichtigsten Informationen in Bezug auf den Umgang mit dem Kind oder dem Jugendlichen besprochen werden. Im Landkreis Esslingen hat sich das Netzwerk und Angebot inzwischen etabliert und soll auch im Rems-Murr-Kreis weiter ausgebaut werden. „Wir wollen nun auch Familien im Rems-Murr-Kreis finden, um das Angebot weiter zu erschließen. Für Familien mit Kindern mit Behinderung bietet die Kurzzeitpflege eine wertvolle Entlastung“, so Tünde Ullrich. Wie oft das jeweilige Kind in der anderen Familie übernachtet, kann dabei völlig frei und nach Bedarf gestaltet werden.
Die Betreuung in einer anderen Familie bietet den Kindern zugleich wertvolle Impulse für ihre Entwicklung. „Ich freue mich, wenn ich zu Conny darf. Dort gibt es immer Ofenkäse und Kartoffelbrei“, sagt Luana Hailer und ihre Mutter ergänzt: „Die Gastmutter geht mit Luana einkaufen und sie kann dann selbst bezahlen. Das kann ich im Alltag z. B. oft nicht leisten“.
Information:
Die "Gast-Eltern-Initiative" der Diakonie Stetten bietet Kindern und Jugendlichen mit geistiger und/oder mehrfacher Behinderung aus dem Landkreis Esslingen und dem Rems-Murr-Kreis kurzzeitig ein Zuhause in Gastfamilien und schafft so mehr Freiraum für die Eltern. Gerne beraten und unterstützen die Mitarbeitenden bei der Suche nach einer passenden Gastfamilie. Die Gastaufenthalte werden - je nach Pflegegrad - über die Leistungen der Pflegekassen und der Eingliederungshilfe finanziert. Am 10. November 2026 findet um 20 Uhr ein digitaler Informationsabend statt. Mehr Informationen geben die Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnen in Familien unter Telefon 07151 940-1076 oder per Mail unter bwf@diakonie-stetten.de
