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Erster Zivi Deutschlands verstorben - Gedenken an Bertold Morlock im Gottesdienst zum Ewigkeitssonntag

Kernen-Stetten, 24. November 2023 – Beim jährlichen Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, in dem traditionell der Verstorbenen des Kirchenjahres gedacht wird, gedenkt die Diakonie Stetten in diesem Jahr auch ihres ehemaligen Mitarbeiters Bertold Morlock, der im September verstorben ist. Morlock war 1957 der erste Zivildienstleistende in Deutschland.

Bertold Morlock hatte 1957 aus eigenem Antrieb seinen Dienst in der Schlosserei der damaligen Anstalt Stetten angetreten, als es offiziell noch keinen Ersatzdienst gab. Dieser Ersatzdienst wurde erst 1960 eingeführt und in seinem Fall rückwirkend anerkannt.

Der Ersatzdienst wurde sein Beruf und seine Berufung. Nach seiner 28-monatigen Dienstzeit arbeitete der gelernte Maschinenschlosser, der den Wehrdienst aus Glaubensgründen verweigert hatte, noch 40 Jahre lang in der Schlosserei in Stetten. Dort lernte er auch seine spätere Frau kennen und ließ sich mit seiner Familie in Stetten nieder. Er legte die Meisterprüfung ab, übernahm die Schlosserei als Leiter, absolvierte eine Zusatzausbildung zum Heilerziehungspfleger und arbeitete bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 mit jungen Menschen mit Förderbedarf.

Über die Anfänge dieses langjährigen Wirkens und die dem Ersatzdienst vorausgehende Gewissensprüfung berichtete er anlässlich des 50-jährigen Zivildienst-Jubiläums im Jahr 2011 in einem Interview für die Tagesschau: „Ich kam zu dem Gespräch schon mit der Zusage für einen Platz als Zivi in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten. Ich habe bei dem Treffen zu den Beamten gesagt: "Wenn meine Kumpels am 1. April zur Bundeswehr gehen, gehe ich nach Stetten und mache da Pfleger". Ich habe damals selbst die Initiative ergriffen und gesagt, ich mache das, egal ob die Politik so weit ist oder nicht. Insofern war es anfangs ein Kampf. Der endete erst, als mir der Dienst dann Jahre später, Anfang der sechziger Jahre, rückwirkend anerkannt wurde. Ich hatte mich als Pfleger beworben und wurde als solcher eingestellt. Als ich dann da war sagte mein Chef, er brauche keinen Pfleger sondern dringend einen Schlosser. Und da ich gelernter Maschinenschlosser war, hat sich das angeboten. So bin ich in die Schlosserei gekommen.“

Mit seiner ruhigen Art habe er einen sehr positiven Einfluss auf die jungen Menschen gehabt, die in der Schlosserei auf das spätere Berufsleben vorbereitet wurden, berichten Zeitzeugen. Er habe jeden Einzelnen so nehmen können wie er war. So hat er im Laufe seines Berufslebens vielen jungen Menschen mit Förderbedarf und Lernschwierigkeiten den Weg ins Berufsleben geebnet und wesentlich dazu beigetragen, dass sie im Leben Fuß fassen und selbständig werden konnten.

Am 22. September ist Bertold Morlock im Alter von 86 Jahren verstorben. Im Gedenkgottesdienst für die Verstorbenen am Ewigkeitssonntag in der Stettener Schlosskapelle wird auch sein Name verlesen. Sein langjähriges Wirken als engagierter Wegbegleiter und Wegbereiter für junge Menschen mit Förderbedarf bleibt in der Diakonie Stetten in dankbarer Erinnerung.

 

Hintergrund: Im jährlichen Gedenkgottesdienst am Ewigkeitssonntag gedenkt die Diakonie Stetten der Menschen, die im zurückliegenden Kirchenjahr verstorben sind: Bewohner und Klienten, aktive Mitarbeitende, Mitarbeitende im Ruhestand und Menschen, die die Diakonie Stetten in ihrem Nachlass bedacht haben. Beim anschließenden liturgischen Gebet am Stein des Gedenkens wird jedes Jahr auch an die 336 Menschen mit Behinderung erinnert, die während der NS-Zeit nach Grafeneck und Hadamar deportiert und dort ermordet wurden.

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