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Bewusstsein für selbstbestimmtes Miteinander schaffen - Diakonie Stetten überarbeitet Gewaltschutzkonzept

Kernen-Stetten, 25. November 2025 – Der Schutz vor Gewalt ist in der Diakonie Stetten ein zentraler Bestandteil der Haltung und Arbeitsweise. Hierzu wurden seit vielen Jahren unterschiedliche Instrumente und Prozesse zur Prävention, Intervention und Aufarbeitung von Grenzverletzungen entwickelt. Ein im Jahr 2024 gegründeter Arbeitskreis hat diese nun in einem neuen Gewaltschutzkonzept für die Eingliederungshilfe überarbeitet. Neben einer Risikoanalyse als Instrument zur kontinuierlichen Gewaltprävention, der Schaffung von Stellen für Gewaltschutzbeauftragte und einer stärkeren Einbindung der Klientinnen und Klienten möchte der Arbeitskreis sensibilisieren und Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema schaffen.

Die Erstellung eines Konzeptes zum Schutz vor Gewalt ist eine der Vorgaben des Bundesteilhabegesetzes und für alle Einrichtungen der Eingliederungshilfe in Baden-Württemberg durch den Landesrahmenvertrag verpflichtend. Mit der UN-Behindertenrechtskonvention sind alle Einrichtungen dazu angehalten, jede Form von Gewalt und Missbrauch an Menschen mit Behinderungen zu verhindern. „Gewaltschutz ist für uns als Einrichtung nicht neu und es gibt in der Diakonie Stetten bereits viele bestehende Konzepte, Verfahren und Methoden, welche Klientinnen und Klienten sowie Mitarbeitende vor Gewalt schützen. Es war uns wichtig diese zu bündeln und weiterzuentwickeln. Daher haben wir den Arbeitskreis Gewaltschutz gegründet“, erzählt Helmut Seibold, stellvertretender Geschäftsbereichsleiter des Bereichs Leben Wohnen Regional. Der Arbeitskreis besteht aus einem multidisziplinären Team aus drei Geschäftsbereichen, damit unterschiedliche Perspektiven miteinfließen. „Das Gewaltschutzkonzept, das auch in Leichter Sprache zur Verfügung steht, ist der Auftakt für einen neuen Prozess, bei dem wir das Instrument der Risikoanalyse nutzen wollen. Dabei sollen nach und nach gegebene Strukturen und Abläufe analysiert werden, um Schwachstellen, bauliche Mängel oder Fehlentwicklungen an einzelnen Standorten zu identifizieren“, erklärt Philipp Heimerdinger aus dem Bereich Leben Wohnen Kernen. Dazu werden Leitungen, Mitarbeitende sowie Klientinnen und Klienten mittels eines Fragebogens zu unterschiedlichen Aspekten befragt. Im Fragebogen enthaltene Fragen sind z. B. „Gibt es abgelegene oder nicht einsehbare Bereiche im Gebäude?“ oder „Nehmen Sie wahr, dass einzelne Klientinnen und Klienten sich voreinander fürchten?“. „Die Analyse ist komplex, da die Einbeziehung von Menschen mit starken kognitiven Beeinträchtigungen oder Artikulationsmöglichkeiten eine besondere Herausforderung ist. Aber wir wollen mit der Analyse ein Bewusstsein dafür schaffen, dass Mitarbeitende und Leitungen ein Augenmerk darauflegen, wo und in welchen Situationen sich Menschen mit Behinderungen möglicherweise unwohl fühlen“, berichtet Philipp Heimerdinger.

Celine Häcker arbeitet im Arbeitskreis Gewaltschutz mit und war an der Überarbeitung des Konzepts beteiligt. Sie ist eine der drei Gewaltschutzbeauftragten, die sich auch weiterhin für die Auseinandersetzung mit diesem Thema einsetzen und für die Durchführung der Risikoanalyse zuständig sind. „Die Erscheinungsformen von Gewalt sind vielschichtig. Neben physischer Gewalt gehören auch Vernachlässigung, psychische, pädagogische, sexualisierte oder strukturelle Gewalt zu deren Formen. Oberste Prämisse ist daher, dass Gewalt erkannt und das zugrundeliegende Problem offen benannt wird. Anschließend müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Deshalb wollen wir die Inhalte des Konzepts auf allen Ebenen immer wieder ansprechen und das Thema lebendig halten“, sagt Celine Häcker. Es sei wichtig, herauszufinden, warum es in bestimmten Situationen zu Gewalt kam. „Wenn ein Klient z. B. tritt, dann besprechen wir im Team, was der Grund sein könnte. Wir müssen uns anschauen, was wir hier anders machen können, damit wir auch den Mitarbeitenden schützen können. Gleichzeitig wollen wir Menschen mit Behinderungen empowern, dass sie sich an unsere Beschwerdestellen wenden, wenn sie in irgendeiner Form Gewalt erleben“. Um in der Diakonie Stetten ein noch stärkeres Bewusstsein für das Thema zu schaffen und konkrete Risiken an allen Stellen der Angebote zu identifizieren, soll es in den kommenden Monaten immer wieder Veranstaltungen mit Leitungen, Mitarbeitenden sowie Klientinnen und Klienten geben.

Helmut Seibold weiß selbst aus langjähriger Erfahrung, dass die Beschäftigung mit dem Thema Gewaltschutz eine ständige Aufgabe ist. „Wir arbeiten mit vielen Menschen mit herausforderndem Verhalten zusammen. Daher ist es wichtig, dass wir ein Bewusstsein für die Formen von Gewalt schaffen und achtsam mit diesem Thema umgehen, denn das bietet für alle Beteiligten mehr Lebensqualität.“
 

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