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Bürokratie frisst Zeit für Menschen - Dietmar Prexl bittet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken um Unterstützung für geplante Allianz zum Bürokratieabbau

Schorndorf/Kernen, 03. Februar 2026 – Aufwendige Dokumentationspflichten, uneinheitliche Verfahren und komplexe Verwaltungsabläufe binden in der Eingliederungshilfe täglich wertvolle Arbeitszeit – Zeit, die dann für die Begleitung und Unterstützung von Menschen mit Behinderung fehlt. Bei einer Gesprächsrunde in Schorndorf mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken warb Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, um politische Unterstützung für einen Standardisierungsprozess und einen strukturierten Austausch, um Entlastungen voranzubringen.

In der vom Landtagsabgeordneten Christian Gehring moderierten Gesprächsrunde in der Daimler Apotheke Schorndorf mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Pflege und Gesundheitswesen warb Prexl für klarere Strukturen und verbindliche Standards in der Eingliederungshilfe. „Wir verfolgen mit großem Interesse, wie im Pflegebereich verbindliche digitale Standards eingeführt werden, um Beschäftigte zu entlasten und Abläufe zu vereinfachen“, sagte Prexl. „Genau diesen Ansatz wollen wir auch in der Eingliederungshilfe nutzen – nicht durch neue Programme, sondern durch eine kluge Vereinfachung bestehender Prozesse.“

Vor diesem Hintergrund plant die Diakonie Stetten gemeinsam mit weiteren Einrichtungen und Verbänden die Kampagne „Nicht am Menschen sparen – Allianz für Bürokratieabbau“, die in wenigen Wochen starten soll. Ziel ist es, Verwaltungsabläufe zu vereinheitlichen und zu verschlanken – etwa bei Abrechnungen, Berichtspflichten oder Genehmigungsverfahren, die derzeit von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt sind und erheblichen Mehraufwand verursachen. Ein konkretes Beispiel ist die perspektivisch landesweit einheitliche Einführung der elektronischen Rechnung.

„Mit klaren Standards und schlankeren Verfahren wollen wir erreichen, dass vorhandene personelle Ressourcen wieder dort ankommen, wo sie hingehören – beim Menschen“, betonte Prexl. Die kommunale Seite ist derzeit noch nicht Teil der geplanten Allianz. Ziel der Kampagne ist es jedoch ausdrücklich, das Gespräch mit Städten und Landkreisen zu suchen und gemeinsam praxistaugliche, landesweit anschlussfähige Lösungen zu entwickeln.

Hintergrund der Initiative sind Erfahrungen aus der täglichen Praxis: Mit dem Bundesteilhabegesetz wurden wichtige Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen erreicht, insbesondere individuellere Unterstützungsleistungen. Gleichzeitig sind die Verwaltungsverfahren deutlich komplexer und zeitaufwendiger geworden – sowohl für soziale Einrichtungen als auch für die Kommunen, die als Kostenträger für die Finanzierung zuständig sind.

Die Diakonie Stetten will nun konkrete, umsetzungsreife Vorschläge aus der Praxis einbringen. „In wenigen Wochen können wir entsprechende Ansätze vorlegen“, kündigte Prexl an. Von der Bundespolitik erhofft er sich dabei vor allem Unterstützung durch Erfahrungsaustausch: „Wir wollen das Rad nicht neu erfinden, sondern von Bereichen lernen, in denen Digitalisierung bereits spürbar entlastet - etwa in der Pflege. Eine feste Ansprechperson im Bundesgesundheitsministerium und ein strukturierter Austausch zwischen Bund und Land könnten helfen, Pilotprojekte gut anzudocken und erfolgreich auf den Weg zu bringen.“

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zeigte sich offen für das Anliegen und stellte eine Rückmeldung in Aussicht.
 

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