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Seit vielen Jahren ein liebevolles Zuhause - Begleitetes Wohnen unterstützt Familien
Bissingen a. d. Teck, 19. Januar 2026 – Andreas Karakas lebt seit er zwei Jahre alt ist bei Familie Höfer in Bissingen an der Teck. Seine Gastmutter Cornelie Höfer unterstützt den Mann mit Behinderungen seit vielen Jahren im Alltag. Rita Kappes vom Begleiteten Wohnen in Familien der Diakonie Stetten kommt einmal im Monat in die Familie und hilft bei Anträgen, bespricht anstehende Themen oder hört einfach zu. Andreas Karakas ist glücklich bei seiner Gastfamilie und hat dort ein liebevolles Zuhause gefunden.

Für Andreas Karakas ist Cornelie Höfer eine der engsten Bezugspersonen. Sie unterstützt ihren Gastsohn dabei, möglichst viel im Alltag selbständig zu machen, auch wenn er viel Unterstützung benötigt. (Foto: Gerhard Reider)

Andreas Karakas fährt mit seinem Rollstuhl zur Spülmaschine und räumt diese mit geübten Handgriffen aus. Auf seinem Rollstuhl ist ein Tablett befestigt, auf das er das Geschirr stellt und anschließend den Tisch fürs Abendessen deckt. An diesem Nachmittag ist Sozialpädagogin Rita Kappes vom Begleiteten Wohnen in Familien der Diakonie Stetten zu Besuch und bespricht mit Cornelie Höfer und dem 40-Jährigen, was aktuell ansteht. „Andreas ist in der 28. Woche geboren und war anfangs viel im Olgahospital. Seine Mutter ist auch eingeschränkt und konnte sich nicht richtig um ihn kümmern, obwohl sein Vater sich gut um ihn gesorgt hat. Das Olgahospital hat sich dann damals dafür eingesetzt, dass Andreas aus der Familie kommt“, erinnert sich Cornelie Höfer. Sie und ihr verstorbener Ehemann haben drei eigene Kinder und nahmen neben Andreas Karakas im Laufe der Zeit zwei weitere Kinder mit Behinderungen in ihre Familie auf. „Ich bin Erzieherin von Beruf und als meine eigenen Kinder klein waren wollte ich nicht wieder arbeiten gehen. Durch die Aufnahme der drei Pflegekinder konnte ich beides gut verbinden“, sagt die 73-Jährige. Inzwischen sind ihre eigenen Kinder erwachsen und eine Tochter lebt mit ihren drei Kindern ebenfalls auf dem Hof zusammen mit Ziegen, Pferden, Katzen und Hühnern. Die Anwesenheit der Tochter ermöglicht Cornelie Höfer auch mal etwas alleine erledigen zu können, wenn Andreas Karakas zuhause und nicht in der Werkstatt ist. „Andreas braucht schon viel Unterstützung im Alltag. Als Kind konnte er noch kurze Strecken laufen, aber das ist inzwischen nicht mehr möglich“, erzählt Cornelie Höfer.
„Im Sommer fahre ich gerne im Ort mit meinem Elektrorollstuhl herum und besuche Freunde. Dann habe ich immer das Handy dabei“, erzählt Andreas Karakas. Werktags arbeitet er in der Werkstatt von Leben inklusiv in Oberboihingen und wird vom Fahrdienst gebracht. „Ich mache Montageteile für Garagentore. Das gehört zu meinen Lieblingsaufgaben“, sagt er. Außerdem spielt er gerne Vee-Harfe, hört Musik aus dem Radio oder ist auch mal am Computer. „Wenn ich Vee-Harfe spiele, tut das meinem Kopf gut“. Seine Gastmutter hat beobachtet, dass ihn das Musikmachen beruhigt. „Andreas hat öfter epileptische Anfälle. Vor allem, wenn ihn etwas aufregt oder er sich sehr freut. Situationen, die für ihn nicht vertraut und überschaubar sind, können dazu führen, dass er einen epileptischen Anfall bekommt. Vor einigen Jahren lebte Andreas Karakas für kurze Zeit in einer Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen. „Das hat jedoch nicht funktioniert. Er hatte großes Heimweh und wir haben an seinem Verhalten gemerkt, dass er damit nicht klarkommt“, erinnert sich Cornelie Höfer. Auch die Teilnahme an Freizeiten für Menschen mit Behinderungen seien für ihn schwierig. „Wir unterstützen ihn darin, dass er das, was er alleine machen kann, auch macht. Er fährt z. B. alleine mit seinem Elektrorollstuhl zur Bücherei und leiht sich dort Filme aus oder er fährt zur Bäckerei“, sagt seine Gastmutter.
Bis Andreas Karakas 18 Jahre alt war, war das Jugendamt für die Familie zuständig. Seither wird sie von den Mitarbeitenden des Begleiteten Wohnens in Familien der Diakonie Stetten betreut. Rita Kappes fährt mindestens einmal im Monat zu Familie Höfer. „Ich hole Herrn Karakas dann meistens in der Werkstatt ab und wir besprechen, wie es ihm geht und was er in der letzten Zeit erlebt hat. Außerdem tausche ich mich mit den Mitarbeitenden der Werkstatt aus. Dann sprechen wir zusammen mit Frau Höfer, spielen etwas oder kümmern uns um administrative Aufgaben“, erzählt Rita Kappes, die zu den Terminen auch hin und wieder Andreas Karakas` Freundin mitbringt, die ebenfalls bei einer Gastfamilie in Stetten lebt. Auch wenn Cornelie Höfer eine erfahrene Gastmutter ist, nimmt sie die Termine mit Rita Kappes immer gerne in Anspruch. „Die Gespräche tun gut und oft hat sie hilfreiche Tipps oder wir überlegen gemeinsam, wie wir ein Problem lösen können“, so Cornelie Höfer. Für sie ist es eine Berufung Gastmutter zu sein. „Man muss dieser Situation schon gewachsen sein, um einen Menschen mit Behinderung in die Familie aufzunehmen. Aber Andi ist für uns alle eine Bereicherung.“
Information:
Die Diakonie Stetten vermittelt in mehreren Landkreisen, wie z. B. Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen, Rems-Murr-Kreis, Ostalbkreis oder Schwäbisch Hall im Rahmen des „Begleiteten Wohnen in Familien“ Menschen mit Behinderung in Gastfamilien. Menschen mit einer Behinderung, die in einer Gastfamilie leben möchten, können sich an das Begleitete Wohnen in Familien wenden. Ebenso Familien oder Einzelpersonen, die für ein solches Zusammenleben offen sind. Das Begleitete Wohnen in Familien nimmt alle Anfragen entgegen und prüft sorgfältig, wer zu wem passen könnte. Gastfamilie und Klientinnen sowie Klienten mit Behinderung werden nach der Vermittlung von den Fachkräften des Fachdiensts dauerhaft unterstützt und beraten. Wer interessiert ist, kann sich an das Begleitete Wohnen in Familien wenden unter Telefon 07151 940-1076 oder per Mail unter bwf@diakonie-stetten.de
