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Für mehr Verständlichkeit beim Arztbesuch - Anamnesebogen in Leichter Sprache veröffentlicht
Kernen-Stetten/Stuttgart, 8. Mai 2026 – Die Diakonie Stetten und die Landesärztekammer Baden-Württemberg haben gemeinsam einen Anamnesebogen in Leichter Sprache auf den Weg gebracht. Damit wird es für Menschen mit Behinderungen leichter, behandelnden Ärztinnen und Ärzten wichtige Informationen zu ihren Beschwerden, Vorerkrankungen oder auch zur Medikamenteneinnahme strukturiert zukommen zu lassen. Das medizinische Personal wiederum profitiert von einer Entlastung im Praxisalltag.

Franziska Fibich gab den Anstoß für den Anamnesebogen in Leichter Sprache und freut sich, dass es diesen nun gibt.
Der Fragebogen hilft Patientinnen und Patienten dabei, durch stark vereinfachte Ausdrucksweise, unkompliziertes und klar geregeltes Satzgefüge sowie Erklärungen von Fachausdrücken und Fremdwörtern Angaben zu ihrem Gesundheitszustand und zur Krankengeschichte zu machen. Er enthält eine Erklärung zum Datenschutz, Fragen zur Teilnahme an einem Hausarztprogramm, zum Impfpass, zum Vorliegen eines Schwerbehindertenausweises sowie zum Pflegegrad. Fragen zu Vorerkrankungen sind jeweils mit entsprechenden Bildern versehen.
Konkret erstellt wurde der Anamnesebogen vom Fachdienst Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache der Diakonie Stetten. Franziska Fibich, die selbst in der Prüfgruppe des Fachdienstes mitarbeitet, war federführend am Projekt beteiligt und sagt: „Für mich ist es beim Ausfüllen des Anamnesebogens beim Arzt immer sehr schwer zu verstehen, was ich alles angeben muss. Deshalb hatte ich die Idee, dass der Anamnesebogen in Leichte Sprache übersetzt werden könnte.“ Die 33-Jährige arbeitet in der Hauswirtschaft der Remstal Werkstätten in Schorndorf. Daneben ist sie in der Prüfgruppe aktiv, die die übersetzten Texte der Mitarbeitenden des Fachdienstes Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache prüft. Die Gruppe besteht aus sieben Menschen mit geistigen Behinderungen und psychischen Erkrankungen und liest jeden übersetzten Text auf Verständlichkeit gegen.
„Wir haben anlässlich der Postkartenaktion ‚Schreib leicht‘ der Lebenshilfe Würzburg zum Internationalen Tag der Leichten Sprache am 28. Mai in der Prüfgruppe darüber gesprochen, in welchen Lebensbereichen Leichte Sprache fehlt. Dabei wurden verschiedene Bereiche genannt, wie z. B. bei der Bahn, bei Ämtern und Behörden oder bei Medien und Nachrichten. Frau Fibich hatte kurz vorher die Erfahrung gemacht, dass sie Schwierigkeiten beim Ausfüllen eines Anamnesebogens bei einem Arzt hatte“, erzählt Ergotherapeutin und Kommunikationspädagogin Frauke Jessen-Narr vom Fachdienst Unterstützte Kommunikation und Leichte Sprache. Mit Unterstützung der Mitarbeitenden gelang es, ihren Wunsch nach einem „besser verständlichen“ Anamnesebogen“ an die Landesärztekammer heranzutragen. Gemeinsam wurde anschließend das Projekt gestartet.
„Die Übersetzung des Anamnesebogens in Leichte Sprache ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Barrierefreiheit im Gesundheitswesen. Der Bogen stärkt die Selbstbestimmung von Patienten und sorgt für reibungslosere Behandlungsabläufe“, sagt Dr. Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Denn das Fachpersonal könne effizienter seiner eigentlichen Arbeit nachgehen, wenn weniger Zeit für Erklärungen und Übersetzungen von Fachausdrücken in herkömmlichen Anamnesebögen beansprucht werde. Zudem könnten sich Ärztinnen und Ärzte ein viel vollständigeres Bild vom Gesundheitszustand ihrer Patientinnen und Patienten machen und diesbezügliche Erkenntnisse in eine zielgerichtete Therapie einfließen lassen. „Auf den Punkt gebracht kann der barrierefreie Anamnesebogen den Erklär-, Korrektur- und Zeitaufwand auf fachlicher Seite erheblich reduzieren“, resümiert Dr. Miller.
„Die Ärztekammer war dem Thema gegenüber aufgeschlossen, worüber wir uns sehr gefreut haben. Oft machen wir die Erfahrung, dass unsere Hinweise im Sande verlaufen. Umso schöner ist es daher, dass wir jetzt einen Anamnesebogen in Leichter Sprache haben, den alle Arztpraxen in Baden-Württemberg nutzen können“, sagt Frauke Jessen-Narr. Nicht nur Ärztinnen und Ärzte selbst könnten den Anamnesebogen herunterladen und später in der Praxis oder Klinik auslegen. Auch Patientinnen und Patienten hätten die Möglichkeit, den Bogen im Vorfeld des Arztbesuchs zu Hause auszudrucken, ihn beispielsweise mit Unterstützung eines Assistenten auszufüllen und ihn später zum Praxisbesuch einfach mitzubringen.
Franziska Fibich freut sich, dass ihre Anregung umgesetzt werden konnte und es nun einen verständlichen Anamnesebogen gibt. „Ich finde es wichtig, dass es solche Texte auch in Leichter Sprache gibt. Schließlich sollen die Menschen verstehen, was sie ausfüllen.“
Information:
Der barrierefreie Anamnesebogen ist auf der Webseite der Landesärztekammer Baden-Württemberg unter folgendem Link zu finden https://www.aerztekammer-bw.de/merkblaetter.
Über die Diakonie Stetten e.V.
Die im Jahr 1849 gegründete Diakonie Stetten gehört heute zu den großen Trägern sozialer Dienstleistungen in Baden-Württemberg. Auf Basis christlicher Werte und im Sinne der Inklusion setzt sie sich ein für eine Welt, in der niemand mehr ausgegrenzt wird. Die rund 4.000 Mitarbeitenden begleiten Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung und Teilhabe: Menschen mit Behinderung, Senioren, Menschen mit psychischer Erkrankung, junge Menschen mit besonderem Förderbedarf, Kinder, Jugendliche und Familien. Die vielfältigen personenzentrierten Angebote in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Assistenz, Förderung, Pflege, Bildung und Beratung sind vor Ort in den Städten und Gemeinden gut eingebunden und vernetzt – am Stammsitz in Kernen-Stetten, in Stuttgart und an weiteren 35 Orten in den Landkreisen Rems-Murr, Ostalb, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg, Heilbronn und Schwäbisch Hall.
Über die Landesärztekammer Baden-Württemberg
Die Landesärztekammer Baden-Württemberg (www.aerztekammer-bw.de) vertritt mehr als 78.000 Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg. Zu ihren Aufgaben gehören die Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten, die Berufsaufsicht, die Qualitätssicherung sowie die Information von Bürgerinnen und Bürgern über die ärztliche Tätigkeit sowie berufsbezogene Themen.
