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„Herzliche Grüße an Frau Merkel“, ließ Diakonie-Bewohner Thomas Braun durch die Ministerin ausrichten.


Rainer Hinzen, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, geleitet Ministerin Schröder zu einem kurzen Rundgang durch den Schlosshof.


Kurzes Innehalten am Stein des Gedenkens für die Opfer der Euthanasie.


Engagierte Diskussionsrunde mit Zivildienstleistenden und Freiwilligen im Sozialen Jahr.

21. Juli 2010

Besuch von der Bundesfamilien-ministerin: Kristina Schröder kam in die Diakonie Stetten und diskutierte mit Zivis und FSJlern

KERNEN-STETTEN - Die Ministerin kommt! Und wenn eine Ministerin kommt, bringt sie einen Bus voller Leute mit. Das wissen jetzt alle, die beim Empfang von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder dabei waren. Sie besuchte im Rahmen ihrer Sommerreise die Diakonie Stetten und diskutierte mit Zivildienstleistenden und jungen Freiwilligen im Sozialen Jahr (FSJ).

Der Anruf kam überraschend: Die Bundesfamilienministerin wolle die Diakonie Stetten besuchen und dabei mit jungen Menschen diskutieren, die hier Dienst tun, hieß es von ihrem Organisationsteam. Immerhin beschäftigt die Diakonie Stetten in ihren Bereichen und Gesellschaften jährlich 60 bis 70 Zivis und rund 80 FSJler.

Am Dienstag, 20. Juli reiste die Ministerin dann an, im Gepäck eine ganze Delegation und einen straffen Zeitplan, der als Schwerpunkt das Gespräch mit den jungen Mitarbeitern vorsah. Aber auch einige Bewohner kamen zum Zug, so Thomas Braun, der sich gleich beim Empfang am Bus zwischen den Vorstand schob und sein Anliegen vortrug: Kristina Schröder möge doch einen Gruß an Angela Merkel ausrichten, bat er. Die Ministerin versprach’s und bekam von Thomas Braun noch ein „aber ja nicht vergessen!“ mit auf den Weg.

Heilerziehungspflege als Zukunftsberuf in der Kita

In der Diakonie Stetten habe „1957 der erste Zivildienstleistende in Deutschland überhaupt“ seinen Dienst gemacht, berichtete Vorstandsvorsitzender Rainer Hinzen bei der Begrüßung unterm Kastanienbaum im Schlosshof. Neben den vielen Freiwilligen und Zivis kämen auch durch die Ausbildung junge Menschen ins Unternehmen, sagte er und hob das Berufsbild Heilerziehungspfleger hervor. Ein Drittel der Azubis in diesem Bereich seien in der Diakonie Stetten männlich. Dieser Aspekt dürfte die Ministerin besonders interessieren, denn sie hat eine Kampagne für mehr Männer in Kitas gestartet. Wenn man Heilerziehungspfleger auch in Regeleinrichtungen beschäftige, würde man sowohl fachlich als auch in Sachen „Männerquote“ gewinnen, argumentierte Hinzen.

Auch Landrat Johannes Fuchs nutzte die Gelegenheit, die Interessen der Kommunen zu vertreten. „Denken Sie daran, dass auch in Zukunft die Behindertenhilfe und ihre Finanzierung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt“, sagte er. Die Diskussion um ein Bundesteilhabegesetz müsse deshalb auch in ihrem Ministerium stattfinden.

Kristina Schröder griff in ihrer Ansprache das Motto der Diakonie Stetten „besser zusammen“ auf: Das sei auch ihr Anspruch für ihre Politik und ihr Ministerium, sagte die junge Ministerin, die für Frauen, Familien, Senioren zuständig ist – kurz „für alle außer mittelalte Männer ohne Kinder“. Die Zivis und die FSJler trügen mit dem, was sie in einer sozialen Einrichtung gesehen haben, einen wesentlichen Erfahrungsschatz in die Gesellschaft hinein. „Wir müssen dafür kämpfen, die hohe Qualität des Zivildienstes auch unter veränderten Rahmenbedingungen so weit wie möglich zu erhalten“, sagte sie im Hinblick auf die beschlossene Kürzung der Wehr- und Zivildienstzeit. Das war auch ein zentrales Thema in der späteren Gesprächsrunde.

Zivildienst und Soziales Jahr bringen persönlichen Gewinn

Nach einem kurzen Schlenker übers Gelände saßen Schröder 14 junge Dienstleistende aus den verschiedensten Bereichen am Podium gegenüber, weitere 28 im Hintergrund. Sie arbeiten als Zivis, als FSJler, als Ferienjobber. Bei den einen hat es mit dem Studium nicht gleich geklappt, andere schlossen ein Soziales Jahr an ihren Au-Pair-Aufenthalt an oder wollten mal „in den sozialen Bereich reinschnuppern“. Sie sind auf Wohngruppen oder in Schulen und Kita tätig, in der Alltagsbegleitung oder auch in der Schwerstpflege. Sie haben viel Spaß und kommen manchmal an ihre Grenzen. Sie gewinnen für ihre Persönlichkeit und oft auch für die Berufsorientierung, sei es, dass sie „vom Zivildienst inspiriert“ an einen sozialen Beruf denken wie Marco Günther - oder dass sie gemerkt haben, welcher Bereich ihnen doch eher nicht liegt. Kristina Schröder hakte bei der Vorstellungsrunde immer wieder nach: „Was machen Sie da genau? Was sind da für Leute, was haben die? Gab es auch schon schwierige Situationen? Waren Sie nicht manchmal überfordert?“

Ihre Gegenüber hakten dagegen beim Thema Geld immer wieder nach. Warum eigentlich FSJler weniger verdienten als Zivis und die wiederum weniger als Ferienjobber, wollten sie wissen. Zusammen mit dem Bundesbeauftragten für den Zivildienst, Dr. Jens Kreuter, versuchte Kristina Schröder den Unterschied zwischen einem Pflichtdienst für den Staat und einem freiwilligen Jahr herauszustreichen. Wirklich überzeugen ließen sich die jungen Leute davon nicht, weil sie die unterschiedliche Bezahlung als ungerecht empfinden. Warum nicht ein soziales Pflichtjahr einführen, wenn die Bezahlung dann besser wäre? Jens Kreuter verwies darauf, dass jeder Pflichtdienst in die Menschenrechte eingreife. Für die Verteidigungsfähigkeit des Landes nehme die Politik das derzeit in Kauf, für Kosteneinsparungen im Sozialbereich nicht.

Zivildienst freiwillig verlängern

Die Verkürzung von Wehr- und Zivildienst auf sechs Monate wird den Einsatz von Zivis erschweren. Das bestätigte Rainer Hinzen: „Stellen, wo es darauf ankommt, Beziehungen aufzubauen, kommen für Zivis dann nicht mehr in Frage. Das finde ich sehr schade“. Das Ministerium setzt deshalb auf eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes, musste aber einige Zweifel daran zur Kenntnis nehmen. Es sei fraglich, ob das genutzt werde, meinten die jungen Leute. Und wenn man nicht von Anfang an wisse, wer am Ende verlängere, könne man die Leute wiederum nicht an entsprechender Stelle einsetzen.

Auch die Gehälter im sozialen Bereich allgemein waren ein Thema. Erzieher zu werden, „habe ich mir überlegt, aber dann wieder verworfen, weil die Bezahlung einfach so schlecht ist“, sagte Benjamin Trumpp, der derzeit in der Theodor Dierlamm Schule arbeitet.

Viele Fragen, auf die sich nicht so leicht eine befriedigende Antwort findet, zumal die Kompetenzen unterschiedlich verteilt sind. So wird das Freiwillige Soziale Jahr bisher nicht vom Bund verwaltet, folglich gibt es auch keine einheitliche Entlohnung dafür.

Zum Abschluss hatte Kristina Schröder noch einen Fototermin: Auf einer Bank vor dem „La Salle am Schloss“ ließ sie sich im angeregten Gespräch mit Bewohnern der Diakonie Stetten ablichten. Dann ging die Busfahrt weiter.

Text: Karin Ait Atmane
Fotos: Thomas Wagner