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09. Juli 2010

Projekt des BAW Gmünd im Asylbewerberheim: Vorurteile „streichen“ - „Man könnte noch viel mehr tun …“

SCHWÄBISCH-GMÜND - Jugendliche des berufsvorbereitenden Lehrgangs im Berufsausbildungswerk (BAW) Schwäbisch Gmünd renovieren und gestalten einen Gemeinschaftsraum im Asylbewerberheim auf dem Hardt.

Oft ist es laut und eng im Asylbewerberheim. Nur 4,5 Quadratmeter stehen jedem Bewohner zu. Wo findet sich ein ruhiger Ort zum Lernen oder um gemütlich Tee zu trinken, während die Kinder spielen?

Im BAW Schwäbisch Gmünd entstand nun die Idee, gemeinsam mit Jugendlichen in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge einen neuen, schönen Rückzugsraum für Mütter und Kinder zu gestalten. Im Rahmen der „Stärken-vor-Ort-Projekte“ konnte die Stadt Schwäbisch Gmünd dem BAW hierfür den Zuschlag erteilen. Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert.

Mit großem Eifer waren die Jugendlichen bei der Sache: Heizkörper abschleifen, Wände streichen, ein buntes Holzhaus bauen und Schulbänke restaurieren. Um das Zimmer mit Leben zu erfüllen, führten die Jugendlichen im BAW eine Sammelaktion für Spielzeug und Kuscheltiere durch. Auch ein großer Korb mit Süßigkeiten durfte nicht fehlen.

Beim Arbeiten beteiligten sich immer wieder tatkräftig die Flüchtlinge selber, beispielsweise nähte ein Schneider aus Ghana die Vorhänge und einige afrikanische Frauen halfen beim Verputzen der Wände. Über deren Arbeitsweise staunten die Jugendlichen: „Sie singen bei der Arbeit und die Spachtelmasse fassen sie mit der Hand an – wie in Afrika beim Hütten bauen.“

Antje Schulz, Bildungsbegleiterin im BAW, ist sehr zufrieden über die Aktion. „Es ist etwas ganz anderes für unsere Jugendlichen, den Asylbewerbern real zu begegnen, als über Flüchtlinge im Gemeinschaftskundeunterricht zu sprechen. Hier kann man ihr Interesse für Politik wecken.“ Vor allem die Angst vor einer möglichen Abschiebung kam immer wieder zur Sprache.

Doch am großen Einweihungsfest für den neuen Gemeinschaftsraum rückt diese Sorge einmal in den Hintergrund. Sowohl die Jugendlichen des BAW als auch die Asylbewerber haben kulinarische Köstlichkeiten aus aller Welt zusammengetragen. Hans-Michael Betz, Geschäftsbereichsleiter im Landratsamt, lobt in seinem Grußwort die handwerkliche Präzision und das große Engagement der Jugendlichen. Sabine Helmer, Bereichsleiterin im BAW, betont den Erfahrungswert für die Lehrgangsteilnehmer durch die Begegnung mit den Flüchtlingen aus aller Welt.

Auf dem Heimweg sind viele Jugendliche nachdenklich. Ein albanischer Lehrgangsteilnehmer, der als Kind selbst etliche Jahre in der Asylbewerberunterkunft zugebracht hat und nun bald die Ausbildung zum Fachlagerist beginnt, sagt: „Mit so wenig Mitteln kann man den Leuten helfen, man könnte doch noch viel mehr tun…“

Theda Eppinger