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Die Abschiedsfeier für Hanns-Lothar Förschler begann mit einer Andacht von Pfarrer Rainer Hinzen in der Schlosskapelle.


„Der versteht was vom G'schäft“, wusste Landrat Johannes Fuchs (rechts) schon seit seiner ersten Begegnung mit dem Kaufmännischen Vorstand Hanns-Lothar Förschler.


Ein Gemälde aus der Kreativen Werkstatt der Diakonie Stetten gaben (von rechts) Heiderose Maaß und Rainer Hinzen ihrem scheidenden Vorstandskollegen mit auf den Weg.


Dr. Jan Wittig, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Diakonie Stetten (rechts) würdigte die „menschliche Leistung“ des langjährigen Vorstandsmitglieds.

28. Dezember 2009

„Jut jemacht“ - Eine fröhliche Abschiedsparty für Dr. Hanns-Lothar Förschler

16 Jahre lang war er kaufmännischer Vorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten

Kernen-Stetten - Es war fürwahr ein fröhlicher Abschied. Einer, bei dem viel gelacht wurde, etliche sehr anspielungsreiche Sätze fielen und soviel Lob an die Ohren des Gehenden drang, dass ein anderer darunter fast hätte verschwinden können. Nicht so jener, den es kurz vor Weihnachten in der Diakonie Stetten zu verabschieden galt: Dr. Hanns-Lothar Förschler, scheidender kaufmännischer Vorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender, verlässt das württembergische Stetten, um zum Jahresbeginn 2010 im badischen Mosbach in den Johannes-Anstalten das Amt des Vorstandsvorsitzenden zu übernehmen. „Damit haben sich beide schwergewichtigen Vorturner davongemacht“, vermerkte launig Professor Markus Rückert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Augustinum GmbH.

Nach dem theologischen „Vorturner“ Klaus-Dieter Kottnik nun also der kaufmännische „Vorturner“. „Eine Ära geht zu Ende“, ahnte bei der großen Abschiedsfeier denn auch der Scheidende. Gleichwohl, traurig muss darüber keiner sein, „jetzt kann was Neues beginnen“, rief er seinen Freunden, Kollegen und Weggefährten zu, die er auf dem richtigen Weg weiß. An diesem hat Dr. Hanns-Lothar Förschler fast 16 Jahre lang mitgearbeitet.

Förschler ist der Typ Mensch, den man getrost als Ausnahmemensch beschreiben darf. „Manchmal war's fast zuviel“, sagte er zwar zu seinem Abschied und sicher auch als Entschuldigung an die Familie gerichtet, die auf den Mann und Vater oft verzichten musste. Aber dass so einer wie er auf halber Flamme laufen könnte, scheint unmöglich. Als wäre seine Arbeit in der Diakonie Stetten nicht genug gewesen, hat er nebenher noch promoviert. Wobei nebenher eigentlich das falsche Wort ist. Denn Hanns-Lothar Förschler ist kein oberflächlicher Hans-Dampf, sondern ganz offenbar ein gewissenhafter Arbeiter an der Sache.

 

Modernes diakonisches Unternehmen gestaltet

Hanns-Lothar Förschler hat in seiner Zeit den „schlafenden Riesen Diakonie Stetten“ aufgeweckt. Er hat zusammen mit seinen Vorstandskollegen und den Mitarbeitern die alte „Anstalt Stetten“ in ein modernes diakonisches Unternehmen umgestaltet. Er baute die Verwaltungsstrukturen um zu einer Holding mit selbstständigen Gesellschaften, betrieb die konsequente Regionalisierung und Dezentralisierung der Angebote für geistig behinderte Menschen, initiierte ein breit angelegtes internes Schulungsprogramm zum wirtschaftlichen Denken und Handeln sowie zur christlich-diakonischen Positionsbestimmung. Er baute neben dem traditionellen Schwerpunkt der Behinderten-Arbeit Wohnangebote für Senioren auf, war Motor bei der Übernahme der Rehaklinik Bad-Boll.

Die Liste seiner Leistungen und Verdienste ist lang, sie beschreibt aber nur den einen Teil des Menschen, der da 16 Jahre lang gewirkt hat. Neben kaufmännischem und unternehmerischem Weitblick war es vor allem der Mensch, der Christ, der überzeugte Diakoniker, der das Sozialunternehmen Diakonie Stetten weiterentwickelt hat. Im Blick dabei immer die Menschen, für die er sich verantwortlich gefühlt hat. „Dafür bin ich dankbar, dass ich nicht irgendwelchen Aktionären zuarbeiten musste, sondern den Menschen.“ Landrat Johannes Fuchs unterstellte ihm schlicht einen „hemmungslosen Idealismus“ und Hanns-Lothar Förschler verriet: „Immer, wenn ich ein Motivationsproblem hatte, brauchte ich bloß runter auf den Hof zu gehen, eine halbe Stunde vom einen zum anderen zu gehen und zu reden - dann wusste ich wieder, wofür ich's mach.“

 

Abschiedszeremonie wurde eine fröhliche Party

Solche Menschen achtet man ob ihrer fachlichen Qualitäten. Und so einen kann man auch schlicht gern haben. Die Abschiedsfeier geriet zur Hymne auf einen Freund. Der neue Vorstandsvorsitzende Pfarrer Rainer Hinzen gab den Ton vor: Anspielungsreich und locker, dazu passend die sehr schwungvolle Musik von „September“. So wurde aus der Abschiedszeremonie eine fröhliche Party.

Dr. Jan Wittig, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Diakonie Stetten, würdigte die „menschliche Leistung“ des Hanns-Lothar Förschler. „Der versteht was vom G'schäft“, habe vor etlichen Jahren schon der Kämmerer Urbachs erkannt, plauderte Johannes Fuchs aus dem Erinnerungskästchen. Und kennzeichnete ihn als genialen Seiltänzer, der es verstand, die Balance zu halten zwischen Humanität, Qualität und Betriebswirtschaft.

Diesen Balanceakt konnte auch Roland Klinger, seines Zeichens Verbandsdirektor des Kommunalverbands für Jugend und Soziales beobachten: „Er war ein streitbarer Verhandlungspartner, ein richtig harter Brocken“ und dabei dennoch immer auf der Suche nach dem Kompromiss.

Einer wie er muss eine besondere Krafttankstelle haben. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, kennt diese Tankstelle: Persönliche Frömmigkeit und „hinter jedem Menschen den sehen, der uns beauftragt hat.“

 

Ökonom und Generalist in Sachen Diakonie

Ein hervorragender Ökonom also und mit den Jahren zunehmend ein Generalist in Sachen Diakoniearbeit. Heiderose Maaß, Vorständin für Arbeit und Ausbildung der Diakonie Stetten, ist dafür die beste Zeugin: „Du hinterlässt ein gesundes Unternehmen“, dankte sie ihrem Kollegen.

Dass da was in den vergangenen 16 Jahren gelungen ist, davon kündete auch die Vorsitzende der Mitarbeiterinnen- und Mitarbeitervertretung Blaschenka Merschilz-Sachs. Manchmal habe er sie geärgert, sagte sie, manchmal hat sie ihn bewundert und „oft lief es richtig gut“. Wenn das eine sagen kann, die oft auf der anderen Seite des Tisches saß, dann muss da was dran sein. „Machen Sie's gut“ rief sie ihm zu und der Umarmung war Herzlichkeit und Respekt füreinander anzusehen.

„Nun also auch noch der Dr. Förschler“ - Klaus-Dieter Kottnik, eigens zum Abschied angereist, pries den Vorstand Förschler als Menschen mit „weltweitem Horizont“. In Berlin, wo Kottnik nun wirkt, würde man sagen: „Jut jemacht“.

Und was tat der derart Gepriesene? Er gab den Dank einfach zurück: An seine Familie, die Kollegen und Mitarbeiter - „wir haben einiges geschafft“. Nahm Geschenke, darunter auch Edles für Raucher entgegen, verteilte selbst Blumen und ging mit den Worten: „Einfach schön. War gut.“

Text: Sabine Reichle
Fotos: Sandra Hauber