
Christoph Stöcker überlässt seiner Nachfolgerin Birgit Kälbling das Feld.

Bereit für neue sportliche Herausforderungen – ein Ball von Chefarzt Dr. Helmut Tüchert

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rehaklinik sowie aus Verwaltung und Gremien der Diakonie Stetten waren zur Verabschiedung von Christoph Stöcker gekommen

Hanns-Lothar Förschler, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten, verabschiedete Christoph Stöcker mit einem Kistchen guter Zigarren
„Dass Sie dieses Haus in eine moderne Reha-Klinik entwickelt haben, ist und bleibt Ihr Verdienst“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Diakonie Stetten, Dr. Hanns-Lothar Förschler, bei der Verabschiedung des „Kurdirektors“. Die Diakonie Stetten hat Reha-Klinik und Kurhaus 1999 von der Herrnhuter Brüdergemeinde, die weiterhin Mitgesellschafterin ist, übernommen. Stöcker kam im Jahr 2000 nach Bad Boll, ab März 2001 war er alleiniger Geschäftsführer. Vorher war er schon zehn Jahre lang in der Diakonie Stetten tätig, zunächst als Assistent des kaufmännischen Vorstandes, dann in verschiedenen Leitungsfunktionen. „Wir haben in jenen Jahren unzählige Projekte auf den Weg gebracht“, dachte Förschler an Weichenstellungen, anstrengende Sitzungen und dabei verspeiste Gummibären-Berge zurück.
Bei Stöckers Start in Bad Boll stand das Kurhaus „mit dem Rücken zur Wand“. In seiner Zeit wurden Bettenhaus und Badhaus neu gebaut, das Kurhaus modernisiert, Parkplätze angelegt und an zukunftsfähigen Konzepten gearbeitet.
Gesellschaftliche Rahmenbedingungen, medizinische Qualität und kirchlich-diakonischen Auftrag auf einen Nenner zu bringen, habe „einen hohen fachlichen und menschlichen Einsatz“ gefordert, sagte Pfarrer Friedrich Vollprecht von der Brüder-Unität und der Herrnhuter Gemeinde. Hans-Rudi Bührle, Bürgermeister von Bad Boll, freute sich darüber, dass das Kurhaus und die bürgerliche Gemeinde näher zusammengerückt sind. Auch wenn die Interessen beider Seiten nicht immer gleich waren, habe man sie immer sachlich geklärt: „Es war für dieses Haus und für Bad Boll eine gute Zeit.“
Als sachlich und fair, auch wenn es hart zur Sache geht, charakterisierte auch Mitarbeiter-Vertreterin Beate Lang ihren bisherigen Chef. Für die Mitarbeiter bleibe bei seinem Weggang „eine Verdichtung der Arbeit, die Überstunden erfordert, die schwer abbaubar sind“. Trotzdem sei Stöcker auch in teilweise harten Notlagen-Verhandlungen immer sachlich geblieben: „Das ist der Punkt, an dem wir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen, wir haben von Ihnen gelernt.“
Nicht von der Linie abzuweichen, auch wenn es manchmal bequemer wäre, und trotzdem noch die Menschen zu sehen sei eine besondere Fähigkeit von Stöcker, sagte Dietmar Prexl, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nikolauspflege als Freund und ehemaliger Untergebener.
„Das müssen Sie sportlich sehen“, war laut Chefarzt Dr. Helmut Tüchert Stöckers typischer Ausspruch, wenn sich Widrigkeiten auftaten. Er habe nach neuen, erfolgreichen Marketing-Strategien gesucht und die Belegungssteigerung von 2200 auf 3300 Gäste in den letzten Jahren spreche für sich.
Eine der führenden Reha-Kliniken in Baden-Württemberg zu werden, war Christoph Stöckers Vision, als er in Bad Boll antrat. „Heute kann man sagen, dass wir auf einem guten Weg sind“, meinte er. Die Investitionen der Diakonie Stetten seien dafür maßgeblich gewesen, aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit dem Haus identifizieren. Deren Verbundenheit sei immer zu spüren gewesen, ebenso wie das Haus über eine „ganz besondere Riege von Abteilungsleitern“ verfüge – die nahm Stöcker auch mal mit zur Klausur aufs Segelboot.
„Ich war stolz darauf, hier zu arbeiten und bin überzeugt von der Zukunft des Hauses“, sagte er zum Abschluss. Für diese Zukunft gilt es noch einige Hürden zu überwinden, so stehen wieder Verhandlungen über finanzielle Grundlagen an. Das wird nun die Aufgabe von Stöckers Nachfolgerin Birgit Kälbling. Die Betriebswirtin arbeitet seit 1992 im Kurhaus und kenne seine Situation besser als jeder andere, sagte Stöcker, der ihr viel Unterstützung bei den anstehenden Herausforderungen wünschte.
Er selbst bekam für seinen Weg den Segen von Pfarrerin Gudrun Bosch und viele symbolträchtige Geschenke: unter anderem von der Mitarbeiterschaft ein Strategie-Brettspiel, mit dem er weiter an seiner Taktik feilen könne, einen Handfeger zum Wegwischen von schlechten Erinnerungen und nahrhafte Wegzehrung.
Text: Karin Ait Atmane