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Vier Gesichter von insgesamt 325: Gabriele Käfer, Dorothee Pflüger sowie Else und Klaus Heck engagieren sich in der Diakonie Stetten.


Spaß und Genuss am Dankeschönfest – hier einige der Ehrenamtlichen.


Die Musikkabarettisten Martin & Mooses reimten ganz spontan aufs Ehrenamt.

12. Dezember 2008

Verwöhnabend für alle Ehrenamtlichen

Die Diakonie Stetten zeigt mit ihrer „Anerkennungskultur“, was ihr die Freiwilligen wert sind

Kernen-Stetten - Sie bringen sich ein: ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihre menschliche Wärme. Und sie lassen sich auch gerne mal verwöhnen: Die Ehrenamtlichen der Diakonie Stetten waren zum Dankeschön-Abend eingeladen und genossen Kultur, Gespräche und ein leckeres Menü. Das gemeinsame Programm war kein Einzelfall, sondern ein Baustein der Wertschätzungskultur in der Diakonie.

Ungefähr die Hälfte der insgesamt 325 Ehrenamtlichen, die sich in der Behindertenhilfe der Diakonie Stetten engagieren, kam zum festlichen Dankeschön-Abend. „Wir möchten Sie unterhalten, informieren und auch ein bisschen verwöhnen“, sagte Steffen Wilhelm, der zusammen mit Christine Heß und Michael Pfisterer Ansprechpartner für die freiwillig Engagierten ist. Die drei bilden das „Team Extrazeit“ und kümmern sich nicht nur einmal im Jahr um die Ehrenamtlichen, sondern haben ein System der Wertschätzung und Anerkennung installiert. Dazu gehören Gespräche, Fortbildungen und gemeinsame Ausflüge, aber auch, dass die Freiwilligen alle Vergünstigungen nutzen können, die den in der Diakonie Beschäftigten zustehen – Räume mieten zum Beispiel, oder im „La Salle am Schloss“, dem Betriebsrestaurant in Stetten, essen. Als Ausweis dient ihnen dabei die neu eingeführte „Ehrenamts-Card“.

Diese Struktur hat das „Team Extrazeit“ dank einer Förderung durch die Aktion Mensch in den vergangenen drei Jahren auf die Beine gestellt. Die Arbeit wird auch nach dem Auslaufen des Projektes weitergeführt, denn die Diakonie Stetten hat beschlossen, dafür eine eigene Personalstelle zu schaffen. Sie setzt damit auch ein Zeichen, wie wichtig ihr all die Menschen von „draußen“ sind, die in den Einrichtungen mitarbeiten – egal was sie tun, wie oft oder wie lange.

Die Ehrenamtlichen seien „wichtige Bindeglieder zur Gesellschaft“, sagte Vorstandsmitglied Heiderose Maaß. Sei seien Botschafter für die soziale Arbeit, „aber sie dürfen kein Ersatz für Mitarbeiter sein, keine Sparpotentiale“, mahnte sie. Wer ehrenamtlich tätig sei, bringe seine Gaben ein, überwinde Grenzen, brauche Geduld, Diplomatie und ein großes Herz. Umgekehrt bringe das Engagement ein neues Selbstwertgefühl, Selbsterfahrung und menschliche Wärme und Dankbarkeit zurück.

Jeder einzelne der Dankeschön-Gäste hätte da seine eigene Geschichte erzählen können. Zum Beispiel die Schülerinnen Kerstin und Jasmin aus Stuttgart, die ihr Sozialpraktikum im Wohnheim in Stuttgart-Bergheim gemacht haben und jetzt immer wieder dort vorbeischauen oder einspringen. „Ich freue mich immer schon drauf“, sagt Jasmin. Beide haben fest vor, nach der mittleren Reife noch Abitur zu machen und dann Sozialpädagogik zu studieren.

Wie aus anfänglicher Scheu viel menschliche Wärme und Freundschaft wachsen kann, hat auch Gabriele Käfer erlebt. Sie besucht, seitdem sie im Ruhestand ist, regelmäßig eine mehrfach behinderte alte Dame in Stetten. „Jetzt steht sie immer schon an der Ecke und wartet“, sagt Käfer, die sich dann mit Vorliebe aus der anderen Richtung anpirscht.

Dass ihr Engagement geschätzt wird, spüren Else und Klaus Heck und Dorothee Pflüger, die das Küchenteam einmal im Monat beim besonderen „Café Spezial“ unterstützen. Dabei bekommen sie viel positives Echo von den behinderten Bewohnern und den Gästen und freuen sich über Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Er sei kürzlich beim Zusammenkehren nicht einmal dazugekommen, seine Kehrichthaufen zu beseitigen, erzählt Klaus Heck – das hatte inzwischen schon ein Bewohner erledigt.

Ann-Kathrin Steinmetz macht seit vier Jahren am Wochenende Pferdedienst auf dem Elisabethenberg in Lorch-Waldhausen. Jetzt, nach dem Abitur, entschloss sie sich zu einem Praktikum in der heilpädagogischen Förderung und wurde sich dabei erst bewusst, wie wichtig die Tiere für die Bewohner sind: „Ich bin sehr froh, dass ich diese Erfahrungen sammeln kann.“

Die Bandbreite an Engagement ist enorm und „nicht selbstverständlich“, sagte Renate Kühn, die Vorsitzende des Gesamtheimbeirats: Sie hoffe, dass es weiterhin viele Ehrenamtliche geben wird.  

Am Dankeschönfest fanden die Freiwilligen Gelegenheit sich auszutauschen und ein Programm zum Entspannen und Auftanken. Sie genossen das Menü vom Rahmsüppchen über diverse Vorspeisen und Kalbsschmorbraten bis zur Pina-Colada-Creme. Ein kongolesischer Chor umrahmte den Abend klangvoll und harmonisch und die beiden Musikkabarettisten Martin & Mooses boten nicht nur ironische Einblicke in ihr Dasein als Lehrer, sondern reimten und sangen auch ganz spontan passend zum Thema: „Doch wenn das Geld verfällt, wie grad auf dieser Welt, hat immer noch Bestand: das Ehrenamt…“  

Text/Fotos: Karin Ait Atmane